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A1  ·  Die Gegenwart

Verben mit Wechsel im Stamm

stammverändernde Verben

Der Vokal ändert sich — überall außer bei wir und ihr.

Bei einer großen Gruppe von Verben ändert sich der betonte Vokal im Stamm: e wird zu ie, o wird zu ue, und bei einigen -ir-Verben wird e zu i. Die Endungen bleiben dabei völlig regelmäßig.

Der Wechsel greift genau dort, wo der Stamm betont ist — also in vier der sechs Formen. Bei nosotros und vosotros liegt die Betonung auf der Endung, und der Stamm bleibt, wie er war. Daraus ergibt sich die Form, an der man diese Verben erkennt: das sogenannte Schuhmuster.

Welche Verben dazugehören, sieht man der Grundform nicht an. Sie werden mit der ersten Person gelernt: poder – puedo, querer – quiero, pedir – pido.

Die Form

e → ie: quererquiero, quieres, quiere, queremos, queréis, quieren
o → ue: poderpuedo, puedes, puede, podemos, podéis, pueden
e → i: pedirpido, pides, pide, pedimos, pedís, piden
u → ue: jugarjuego, juegas, juega, jugamos, jugáis, juegan
unverändert bleibennosotros und vosotros

Die Regeln im Einzelnen

  1. Der Wechsel greift nur, wo der Stamm betont ist.

    Puedo ayudarte, pero no podemos hoy.Ich kann dir helfen, aber heute können wir nicht.

  2. Die Endungen bleiben völlig regelmäßig.

    Empiezas a las ocho.Du fängst um acht an.

  3. e → i gibt es nur bei -ir-Verben.

    Repito la pregunta.Ich wiederhole die Frage.

  4. Die Zugehörigkeit steht am Wort, nicht in einer Regel.

    Duermo ocho horas.Ich schlafe acht Stunden.

Genauer hingesehen

Warum ausgerechnet wir und ihr ausscheren

Der Wechsel ist kein grammatischer Einfall, sondern ein Lautgesetz: Ein kurzes lateinisches e und o wurden unter Betonung zu ie und ue. Wo die Betonung nicht auf dem Stamm lag, blieb der Vokal, wie er war.

In der Gegenwart liegt die Betonung bei nosotros und vosotros auf der Endung — podEmos, podÉis —, in den vier anderen Formen auf dem Stamm: PUEdo, PUEdes. Das Muster ist also kein Merkspruch, sondern die Spur einer Lautverschiebung, die man heute noch hört.

Queremos ir, pero él no quiere.Wir wollen gehen, er aber will nicht.

Ausnahmen und Sonderfälle (2)
  • das Verb tener oder venir ist

    kommt zum Wechsel eine unregelmäßige erste Person.

    Tengo dos hermanos y vengo de Colonia.Ich habe zwei Geschwister und komme aus Köln.

    Beide Verben tragen zwei Unregelmäßigkeiten gleichzeitig — und sind so häufig, dass man sie ohnehin am Stück lernt.

  • jugar dasteht

    wechselt u zu ue, was sonst kein Verb tut.

    Juego al tenis los martes.Dienstags spiele ich Tennis.

    Ein einziges Verb mit diesem Muster; es lohnt nicht, dafür eine Regel zu lernen.

Woran man es erkennt

  • querer
  • poder
  • empezar
  • volver
  • dormir
  • pedir
  • entender
  • pensar

Beispielsätze

¿A qué hora empieza la película?Wann fängt der Film an?

No entiendo esta palabra.Ich verstehe dieses Wort nicht.

Volvemos el domingo, pero ella vuelve mañana.Wir kommen am Sonntag zurück, sie aber morgen.

Los niños duermen en la habitación pequeña.Die Kinder schlafen im kleinen Zimmer.

Die typisch deutsche Falle

Aufgepasst

Der häufigste Fehler ist, den Wechsel auch bei nosotros und vosotros vorzunehmen — podemos wird zu puedemos, weil man das Muster einmal gelernt hat und dann durchzieht. Es ist genau umgekehrt: Diese beiden Formen sind die regelmäßigen, und die vier anderen sind die Abweichung.

Falsch:Nosotros puedemos venir el sábado.
Richtig:Nosotros podemos venir el sábado.

Der Stamm wechselt, wo er betont ist — bei wir und ihr nicht.

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