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Spanische Aussprache: 34 Minimalpaare zum Hören

Ein Minimalpaar sind zwei Wörter, die sich in genau einem Laut unterscheiden: ship und sheep, bad und bed. Wer sie auseinanderhält, hat den Laut. Wer nicht, sagt jahrelang dasselbe Wort und wundert sich über Rückfragen.

Diese Liste ist kürzer als die üblichen, weil sie einer einzigen Regel folgt: Es stehen nur die Unterschiede darauf, die es im Deutschen nicht gibt. Mit pin und pen hat ein deutscher Sprecher keine Mühe — beide Vokale kennt er. Mit ship und sheep schon.

Deshalb sagt jede der 9 Gruppen zuerst, was ein deutscher Sprecher stattdessen tut. Das ist die eigentliche Auskunft; die Wörter darunter sind Belege. Eine Lautschrift steht hier nicht: Wer die Zeichen kennt, braucht diese Seite nicht, und wer sie nicht kennt, dem sagen sie nichts.

r gegen rr

Ein Schlag oder ein Rollen — und das entscheidet das Wort.

Was dabei passiert: Das Spanische hat zwei r-Laute, und sie unterscheiden Wörter. Das einfache r zwischen Vokalen ist ein einziger Schlag der Zungenspitze, kurz wie das d in einem schnell gesprochenen „Bude". Das rr ist ein echtes Rollen mit mehreren Schlägen. Ein deutscher Sprecher hat weder das eine noch das andere: Sein r entsteht hinten im Rachen, und damit landet er zwischen beiden Lauten — er sagt weder pero noch perro, sondern etwas, das für einen spanischen Hörer keines von beiden ist. Am Wortanfang und nach n, l oder s wird ein einfach geschriebenes r ebenfalls gerollt: Roma, alrededor, Israel.

Das eineheißtDas andereheißt
peroaberperroder Hund

Quiero venir, pero no puedo.Ich will kommen, kann aber nicht.

Das häufigste Minimalpaar der Sprache — und beide Wörter kommen in jedem zweiten Gespräch vor.
caroteuercarroder Karren, das Auto

Este hotel es demasiado caro.Dieses Hotel ist zu teuer.

In Lateinamerika heißt carro das Auto, in Spanien der Karren.
coroder Chorcorroich laufe

Canta en el coro de la iglesia.Sie singt im Kirchenchor.

cerodie Nullcerroder Hügel

Ganamos dos a cero.Wir gewannen zwei zu null.

parafürparrader Weinstock

Este regalo es para ti.Dieses Geschenk ist für dich.

n gegen ñ

Ein eigener Buchstabe für einen eigenen Laut.

Was dabei passiert: Das ñ ist kein n mit einem Zeichen darüber, sondern ein eigener Buchstabe mit einem eigenen Laut — dem, den das Deutsche gar nicht schreibt und im Wort „Kognak" trotzdem spricht. Deutsche Sprecher setzen dafür ein n plus j: „canja" statt caña. Das klingt ähnlich und ist doch zweisilbig statt einsilbig, und ein spanischer Hörer merkt den Unterschied sofort. Die Wörter, die daran hängen, sind alltäglich: año gegen ano, caña gegen cana, sueño gegen suene. Im Alphabet steht das ñ zwischen n und o und hat einen eigenen Platz.

Das eineheißtDas andereheißt
canadas graue Haarcañadas kleine Bier; das Rohr

Nos tomamos una caña en la terraza.Wir tranken ein kleines Bier draußen.

sonarklingensoñarträumen

El teléfono empezó a sonar a medianoche.Um Mitternacht fing das Telefon an zu klingeln.

penader Kummerpeñader Fels

Qué pena que no puedas venir.Schade, dass du nicht kommen kannst.

monoder Affemoñoder Dutt

En el zoo vimos un mono muy grande.Im Zoo sahen wir einen sehr großen Affen.

s gegen z und c

In Spanien zwei Laute, in Amerika einer.

Was dabei passiert: In Nord- und Mittelspanien wird z, und c vor e oder i, wie das spanische th in „think" gesprochen — die Zunge zwischen den Zähnen. In Andalusien, auf den Kanaren und in ganz Lateinamerika gibt es diesen Laut nicht: Dort klingt z genau wie s, und casa und caza sind gleichlautend. Beides ist richtig, und keines ist eine Nachlässigkeit. Für den Lerner heißt das: Wer sich für die spanische Aussprache entscheidet, muss den Unterschied hören und machen können; wer sich für die amerikanische entscheidet, verliert ihn — und muss dann die Schreibung ohne den Klang lernen.

Das eineheißtDas andereheißt
casadas Hauscazadie Jagd

Nuestra casa está al final de la calle.Unser Haus steht am Ende der Straße.

In Lateinamerika und in Südspanien klingen beide gleich — dort trägt nur der Satz die Unterscheidung.
cosernähencocerkochen, garen

Mi abuela sabía coser muy bien.Meine Großmutter konnte sehr gut nähen.

abrasarverbrennenabrazarumarmen

El sol abrasa a mediodía.Mittags brennt die Sonne.

siendie Schläfecienhundert

Pagué cien euros por el billete.Ich habe hundert Euro für die Fahrkarte bezahlt.

l gegen ll

Ein l oder ein j-artiger Laut.

Was dabei passiert: Das ll ist kein langes l. Es klingt in den meisten Gegenden wie ein deutsches j, in Argentinien und Uruguay wie das sch in „Journal". Wer es als Doppel-l ausspricht, sagt ein Wort, das es nicht gibt: pollo würde zu polo, und aus dem Hähnchen wird ein Pol. Dazu kommt eine Eigenheit am Wortende, die deutschen Sprechern sofort auffällt und die sie trotzdem übersehen: Ein spanisches l am Wortende bleibt hell und vorn an den Zähnen, während das deutsche l dort dunkler wird. Der Unterschied ist klein und macht einen Akzent aus.

Das eineheißtDas andereheißt
poloder Pol; das Eis am Stielpollodas Hähnchen

De segundo, pollo con patatas.Als Hauptgang Hähnchen mit Kartoffeln.

malaschlecht (weiblich)malladas Netz, das Gitter

La comida no estaba mala.Das Essen war nicht schlecht.

caladie Buchtcallaer schweigt

Nos bañamos en una cala pequeña.Wir badeten in einer kleinen Bucht.

holahalloollader Topf

Hola, ¿qué tal?Hallo, wie geht es dir?

Das h ist stumm — hola und olla unterscheiden sich nur im l gegen ll, obwohl sie ganz verschieden aussehen.

e gegen i

Fünf Vokale, und jeder hat genau einen Klang.

Was dabei passiert: Das Spanische hat fünf Vokale, und jeder klingt immer gleich — betont wie unbetont, offen wie geschlossen. Das Deutsche hat ein Vielfaches davon und schwächt unbetonte Vokale zu einem gemurmelten e ab. Genau das ist die Falle: Wer mesa mit einem gemurmelten Schluss spricht, landet zwischen mesa und misa, und der Hörer muss raten. Umgekehrt liegt das deutsche kurze i tiefer als das spanische, und peso klingt dann wie piso. Die Regel ist einfach und ungewohnt: Jeder Vokal wird ausgesprochen wie unter Betonung, auch wenn er unbetont ist.

Das eineheißtDas andereheißt
mesader Tischmisadie Messe

Las llaves están en la mesa.Die Schlüssel liegen auf dem Tisch.

pesodas Gewichtpisodie Wohnung; das Stockwerk

Vivimos en un piso pequeño.Wir wohnen in einer kleinen Wohnung.

peroaberpiroder Abgang (salopp)

Es tarde, pero todavía hay luz.Es ist spät, aber es ist noch hell.

Dasselbe pero wie oben, hier gegen einen anderen Laut — ein Wort kann in zwei Lautgruppen stehen.
venderverkaufenvenirkommen

Quieren vender el coche.Sie wollen das Auto verkaufen.

Kein echtes Minimalpaar, aber der häufigste Hörfehler unter Anfängern: Die Endung entscheidet die Verbgruppe.

o gegen u

Das o bleibt o, auch am Wortende.

Was dabei passiert: Dasselbe Problem eine Etage tiefer. Das spanische o ist ein geschlossenes, kurzes o, das sich weder zum a noch zum u bewegt; das deutsche o wird oft zu einem Zwielaut gedehnt, der nach ou klingt. In der unbetonten Endsilbe passiert das Gegenteil: Der Vokal wird verkürzt und rutscht in Richtung u, und dann wird aus poso ein puso — aus dem Bodensatz eine Verbform. Weil die spanische Verbendung genau in dieser Silbe sitzt, entscheidet dieser eine Laut regelmäßig darüber, welche Person und welche Zeit gemeint ist.

Das eineheißtDas andereheißt
posoder Bodensatzpusoer stellte

Puso las llaves en la mesa.Er legte die Schlüssel auf den Tisch.

rotakaputt (weiblich)rutadie Route

La ventana está rota.Das Fenster ist kaputt.

bolladas Brötchenbullader Lärm

Había mucha bulla en la plaza.Auf dem Platz war viel Lärm.

comowie; ich essecumbreder Gipfel

Como en casa todos los días.Ich esse jeden Tag zu Hause.

Kein echtes Minimalpaar — hier geht es um den ersten Vokal, der in beiden Wörtern derselbe Buchstabe sein könnte und es nicht ist.

b gegen p

Das spanische p wird nicht behaucht.

Was dabei passiert: Ein deutsches p am Wortanfang kommt mit einem hörbaren Luftstoß: „Peso" klingt wie „Pheso". Das spanische p hat diesen Hauch nicht — es ist trocken, und genau dadurch rückt es näher an das b. Wer den deutschen Hauch mitbringt, wird zwar verstanden, klingt aber fremd; wer umgekehrt versucht, den Hauch zu vermeiden, landet leicht beim b. Dieselbe Regel gilt für t und k, die im Deutschen ebenfalls behaucht werden und im Spanischen nicht. Es ist die Eigenheit, an der man einen deutschen Akzent zuerst erkennt.

Das eineheißtDas andereheißt
besoder Kusspesodas Gewicht

Le dio un beso en la mejilla.Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange.

baladie Kugelpaladie Schaufel

Necesitamos una pala para la nieve.Wir brauchen eine Schaufel für den Schnee.

batader Kittelpatadas Tierbein

El perro se hizo daño en una pata.Der Hund hat sich an einer Pfote wehgetan.

d gegen t

Zwischen Vokalen wird das d ganz weich.

Was dabei passiert: Das spanische d hat zwei Klänge. Am Wortanfang und nach n oder l ist es ein d wie im Deutschen. Zwischen Vokalen wird es so weich, dass es fast wie das spanische th in „this" klingt: cada, nada, todo. Wer es dort hart spricht, klingt gestochen und fremd; wer es ganz weglässt — was viele Muttersprachler in der Endung -ado tun — spricht Umgangssprache. Das t dagegen bleibt immer hart und wird, anders als im Deutschen, nicht behaucht. Die Zungenspitze liegt bei beiden Lauten an den Zähnen und nicht dahinter.

Das eineheißtDas andereheißt
doszweitosder Husten

Tengo tos desde el fin de semana.Ich habe seit dem Wochenende Husten.

cadajedercatadie Verkostung

Cada semana vamos al mercado.Jede Woche gehen wir auf den Markt.

Das d in cada ist der weiche Laut zwischen Vokalen — hier hört man den Unterschied besonders deutlich.
damadie Dametamadas Wort gibt es nicht

La dama del cuadro lleva un vestido azul.Die Dame auf dem Bild trägt ein blaues Kleid.

Absichtlich ein Paar mit einer leeren Seite: Wer den Unterschied nicht macht, sagt kein anderes Wort — sondern gar keines.

g gegen j

Ein hartes g oder ein Rachenlaut.

Was dabei passiert: Das j und das g vor e oder i sind im Spanischen derselbe Laut: ein kratziges ch wie im deutschen „Bach", aber weiter hinten und kräftiger. Vor a, o und u ist das g dagegen ein hartes g wie in „Garten". Damit kann ein und derselbe Buchstabe zwei Wörter unterscheiden, und die Schreibung muss nachhelfen: Damit ein hartes g vor e stehen kann, schiebt das Spanische ein stummes u ein — guerra, guitarra. Wer das u mitspricht, sagt ein anderes Wort. Und wo das u wirklich klingen soll, bekommt es zwei Punkte: pingüino.

Das eineheißtDas andereheißt
gatodie Katzejarroder Krug

El gato duerme en el sofá.Die Katze schläft auf dem Sofa.

Vor a ist das g hart; der Rachenlaut steht dort nur beim j.
guerrader Kriegjergader Jargon

La guerra terminó hace muchos años.Der Krieg endete vor vielen Jahren.

Das u in guerra wird nicht gesprochen — es steht nur da, damit das g hart bleibt.
gentedie Leuteguanteder Handschuh

Había mucha gente en la plaza.Auf dem Platz waren viele Leute.

Dasselbe g, zwei Laute: vor e weich wie ein j, vor u hart — und das u ist hier hörbar, weil ein a folgt.

Hören und unterscheiden

Es wird eines der beiden Wörter gesprochen, und Sie sagen, welches. Zwei Möglichkeiten heißt: Raten trifft die Hälfte. Deshalb kommt jedes Paar zweimal dran — einmal je Wort. Wer den Laut nicht hat, landet über beide hinweg bei fünfzig Prozent, und das ist zu sehen; ein einzelner Treffer wäre es nicht.