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A2  ·  Bitten und Befehle

Der Imperativ für tú und vosotros

Befehlsform, bejaht

Die dritte Person des Präsens — und acht Ausreißer.

Für ist der bejahte Imperativ die dritte Person Singular des Präsens: él habla → ¡habla!, él come → ¡come!, él vive → ¡vive! Das gilt auch für stammverändernde Verben, die den Wechsel behalten: cierra, vuelve, pide.

Für vosotros ist es noch einfacher: Das -r des Infinitivs wird zu -d. hablar → hablad, comer → comed, vivir → vivid. Ohne jede Ausnahme, bei allen Verben.

Acht Verben haben eine eigene, sehr kurze tú-Form: di (decir), haz (hacer), ve (ir), pon (poner), sal (salir), sé (ser), ten (tener), ven (venir). Es sind genau die häufigsten, und sie sind kurz, weil sie oft gesagt werden.

Die Form

tú, regelmäßighabla, come, vive
tú, mit Stammwechselcierra, vuelve, pide
tú, eigene Formendi, haz, ve, pon, sal, sé, ten, ven
vosotroshablad, comed, vivid
reflexiv, túsiéntate, levántate
reflexiv, vosotrossentaos, levantaos (ohne -d)

Die Regeln im Einzelnen

  1. Die tú-Form ist die dritte Person des Präsens.

    Habla más despacio, por favor.Sprich bitte langsamer.

  2. Die vosotros-Form ersetzt das -r durch -d.

    Escuchad con atención.Hört gut zu.

  3. Pronomen werden angehängt und mitgeschrieben.

    Dímelo otra vez.Sag es mir noch einmal.

  4. Bei reflexivem vosotros fällt das -d weg.

    Sentaos donde queráis.Setzt euch, wohin ihr wollt.

Genauer hingesehen

Warum ausgerechnet acht Verben kurz sind

Es sind die Verben, die am häufigsten als Aufforderung gesagt werden: sag, mach, geh, stell, komm, sei, hab, geh raus. Was ständig gerufen wird, schleift sich ab — dieselbe Erscheinung wie beim deutschen „komm" ohne e oder beim spanischen „don't".

Auffällig ist ve: Es ist zugleich der Imperativ von ir und von ver. Welches gemeint ist, entscheidet der Satz, und Missverständnisse gibt es kaum, weil die beiden Verben ganz verschiedene Ergänzungen nehmen.

Ve a casa y ve la película luego.Geh nach Hause und sieh den Film später.

Ausnahmen und Sonderfälle (2)
  • ein Pronomen angehängt wird und das Wort dadurch wächst

    kommt ein Akzent dazu.

    Cuéntamelo todo.Erzähl mir alles.

    Die Betonung soll bleiben, wo sie war; ohne Akzent würde sie beim Lesen nach hinten wandern.

  • irse im vosotros-Imperativ steht

    bleibt das -d ausnahmsweise stehen.

    ¡Idos ya!Geht jetzt!

    Ohne d bliebe nur „ios", was kein aussprechbares Wort ergäbe — das einzige Verb mit dieser Ausnahme.

Woran man es erkennt

  • por favor
  • venga
  • anda
  • oye
  • mira

Beispielsätze

Ven aquí un momento.Komm mal kurz her.

Ten cuidado con el escalón.Pass auf die Stufe auf.

Poned la mesa, por favor.Deckt bitte den Tisch.

Levántate, ya son las ocho.Steh auf, es ist schon acht.

Noch 6 Beispielsätze

Cierra la ventana, hace frío.Mach das Fenster zu, es ist kalt.

Haz la cama antes de salir.Mach das Bett, bevor du gehst.

Dime la verdad.Sag mir die Wahrheit.

Venid a las ocho.Kommt um acht.

Sal de ahí ahora mismo.Komm da sofort raus.

Espérame en la entrada.Warte am Eingang auf mich.

Besonderheiten (2)
  • Ein Imperativ ist selten unhöflich

    Wo das Deutsche lieber eine Frage stellt, benutzt das Spanische die Befehlsform mit por favor: Pásame la sal, por favor. Das klingt nicht schroff, sondern normal. Wer stattdessen alles in Fragen kleidet, wirkt eher umständlich als höflich.

    Pásame la sal, por favor.Reich mir bitte das Salz.

  • oye und mira eröffnen einen Satz

    Die Imperative von oír und mirar dienen im Gespräch als Anrede: Oye, ¿tienes un momento? Sie fordern nicht wirklich zum Hören oder Sehen auf, sondern holen die Aufmerksamkeit — wie das deutsche „hör mal".

    Oye, ¿me puedes ayudar?Hör mal, kannst du mir helfen?

Die typisch deutsche Falle

Aufgepasst

Die eigenen Formen sehen aus wie Bruchstücke und werden deshalb „vervollständigt": pone statt pon, tiene statt ten. Damit steht aber die dritte Person des Präsens da, und der Satz sagt „er stellt" statt „stell". Die acht Kurzformen sind vollständig — sie sehen nur nicht so aus.

Falsch:Pone el libro en la mesa.
Richtig:Pon el libro en la mesa.

Bejaht für tú: die dritte Person — außer bei den acht Kurzen.

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