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C1  ·  Zeiten und Verlaufsformen

Die Vergangenheit als Abstand

I was wondering whether …

Eine Vergangenheitsform, die nichts über die Vergangenheit sagt — sondern höflicher klingt.

Es gibt einen Gebrauch der Vergangenheit, der mit Zeit nichts zu tun hat. I was wondering whether you had a moment fragt nach jetzt, nicht nach vorhin. Die Form schiebt die Bitte ein Stück von sich weg, und dieser Abstand ist die Höflichkeit.

Das Muster ist regelmäßig: Je weiter die Form zurückliegt, desto vorsichtiger klingt sie. Do you have a moment? ist neutral. Did you want a coffee? ist freundlicher als Do you want. I was hoping you could help ist zurückhaltender als I hope. Und I had been wondering ist die vorsichtigste Fassung von allen.

Denselben Abstand nutzt der Konjunktiv nach Ausdrücken wie it is time, would rather und as if: It is time you went home — nicht go, obwohl es um jetzt geht. I would rather you didn't. He talks as if he owned the place, obwohl er es nicht tut.

Für einen deutschen Sprecher ist das ungewohnt, weil das Deutsche dafür den Konjunktiv II hat — ich wollte fragen, es wäre schön — und der ist als eigene Form erkennbar. Im Englischen sieht die höfliche Form aus wie die Vergangenheit, und wer sie nicht kennt, antwortet auf die falsche Frage.

Die Form

neutrale FrageDo you have a minute?
mit AbstandI was wondering whether you had a minute.
Wunsch mit AbstandI was hoping you could look at this.
nach it is timeIt is time we left.
nach would ratherI would rather you told her yourself.
nach as ifHe behaves as if he owned the place.

Die Regeln im Einzelnen

  1. Eine Vergangenheitsform macht eine Bitte höflicher, ohne ihre Zeit zu ändern.

    I wondered whether you could send it today.Ich wollte fragen, ob Sie es heute schicken könnten.

  2. Nach it is time steht die Vergangenheitsform, obwohl die Gegenwart gemeint ist.

    It is time you told him.Es wird Zeit, dass du es ihm sagst.

  3. would rather verlangt bei zwei verschiedenen Subjekten ebenfalls die Vergangenheitsform.

    I would rather you waited outside.Mir wäre lieber, du wartest draußen.

  4. as if und as though nehmen die Vergangenheitsform, wenn das Gesagte nicht zutrifft.

    She looked as if she had not slept.Sie sah aus, als hätte sie nicht geschlafen.

Genauer hingesehen

Warum ausgerechnet die Vergangenheit

Was vergangen ist, ist entfernt, und was entfernt ist, wirkt weniger fordernd. Dieselbe Bewegung macht das Englische mit der Verlaufsform (I am hoping klingt vorsichtiger als I hope) und mit dem Konditional (could you statt can you). Drei Wege, eine Richtung: weg vom Direkten.

Deshalb lassen sie sich stapeln, und das ist die praktische Regel dahinter. I wonder → I wondered → I was wondering → I was just wondering whether you might possibly. Jede Stufe setzt einen weiteren Schritt Abstand. Wer weiß, dass es eine Skala ist, kann auf ihr wählen, statt zwischen höflich und unhöflich zu raten.

Es gibt dabei ein Zuviel. Vier Abstandsschritte in einer Bitte an eine Kollegin klingen nicht besonders höflich, sondern unsicher — oder ironisch. Die Skala hat oben ein Ende, und wer es überschreitet, sagt etwas anderes, als er wollte.

Ausnahmen und Sonderfälle (2)
  • as if etwas beschreibt, das durchaus zutreffen könnte

    steht die Gegenwart.

    It looks as if it is going to rain.Es sieht aus, als würde es regnen.

    Die Vergangenheitsform sagt hier „und das stimmt nicht" — bei einer offenen Möglichkeit wäre das eine falsche Behauptung.

  • would rather nur ein Subjekt hat

    folgt die nackte Grundform.

    I would rather wait outside.Ich warte lieber draußen.

    Ohne zweites Subjekt gibt es keinen Nebensatz, in dem die Form stehen könnte.

Woran man es erkennt

  • I was wondering
  • I was hoping
  • it is time
  • would rather
  • as if
  • as though

Beispielsätze

I was wondering whether the room is still free.Ich wollte fragen, ob das Zimmer noch frei ist.

It is time we talked about the second invoice.Es wird Zeit, dass wir über die zweite Rechnung sprechen.

I would rather you did not mention it yet.Mir wäre lieber, Sie erwähnen es noch nicht.

He answered as if the question had surprised him.Er antwortete, als hätte ihn die Frage überrascht.

Did you want the receipt with the card?Möchten Sie den Beleg zur Karte?

Noch 6 Beispielsätze

I was hoping you might have a moment.Ich hatte gehofft, Sie hätten einen Augenblick Zeit.

It is high time somebody said this out loud.Es ist höchste Zeit, dass das jemand ausspricht.

I would rather we kept this between us.Mir wäre lieber, das bliebe unter uns.

She looked at me as though I had said something odd.Sie sah mich an, als hätte ich etwas Seltsames gesagt.

Suppose we started an hour earlier — would that help?Angenommen, wir fingen eine Stunde früher an — hülfe das?

I wondered whether you had had a chance to look at it.Ich wollte fragen, ob Sie schon Gelegenheit hatten hineinzusehen.

Besonderheiten (3)
  • Abstand ist Höflichkeit

    Die Vergangenheitsform verschiebt hier keine Zeit, sondern eine Entfernung: Was weiter weg steht, drängt weniger. Deshalb ist I was wondering höflicher als I wonder, obwohl beide dasselbe meinen und beide jetzt gelten.

    I was wondering if you had a spare copy.Ich wollte fragen, ob Sie ein Exemplar übrig haben.

  • it is time verlangt die Vergangenheit

    It is time we left ist richtig, It is time we leave nicht. Die Form sagt: Der Zeitpunkt ist eigentlich schon verstrichen. Wer den Infinitiv braucht, muss das Subjekt weglassen — It is time to leave.

    It is time we went home.Es ist Zeit, dass wir nach Hause gehen.

  • would rather: zwei Subjekte, zwei Bauformen

    Bei einem einzigen Subjekt folgt die Grundform: I would rather stay. Sobald zwei verschiedene Personen im Spiel sind, folgt ein Satz in der Vergangenheitsform: I would rather you stayed. Ein to steht nie dabei.

    I would rather you told her yourself.Mir wäre lieber, du sagst es ihr selbst.

Die typisch deutsche Falle

Aufgepasst

Wer I was wondering wörtlich als Vergangenheit liest, antwortet daneben. Auf I was wondering whether you had a minute ist „Yes, I did" falsch — gefragt ist jetzt. Und umgekehrt: Wer im Englischen durchgehend im Präsens bittet, klingt nicht unhöflich, aber schroffer, als er meint. Das ist der Unterschied, an dem im Berufsalltag am meisten hängt und über den am wenigsten gesprochen wird.

Falsch:It is time you go home.
Richtig:It is time you went home.

Ein Schritt zurück in der Zeit ist ein Schritt zurück in der Direktheit.

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