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B2  ·  Modalverben

Wie sicher ist das?

Modalverben als Wahrscheinlichkeitsskala

Von „muss so sein“ bis „kann nicht sein“ — in sechs Stufen.

Modalverben sagen nicht nur, was jemand darf oder soll. In ihrer zweiten Verwendung sagen sie, für wie sicher der Sprecher eine Aussage hält — und decken damit eine ganze Skala ab, für die das Deutsche Wörter wie bestimmt, wohl und vielleicht braucht.

Von oben nach unten: must (das kann nur so sein), will (mit großer Sicherheit, oft bei Gewohnheiten), should (es wäre zu erwarten), may (gut möglich), might und could (denkbar), cannot (ausgeschlossen).

Wichtig ist das untere Ende: Das Gegenteil von must be ist nicht must not be, sondern cannot be. must not verbietet und sagt nichts über Wahrscheinlichkeit.

Die Form

sicherShe must be at home — her car is outside.
sehr wahrscheinlichThat will be the postman.
zu erwartenThey should be here by six.
gut möglichHe may know the answer.
denkbarIt might be a mistake.
ausgeschlossenThat cannot be true.

Die Regeln im Einzelnen

  1. must drückt eine sichere Schlussfolgerung aus dem Beleg aus.

    The lights are on — someone must be in.Es brennt Licht, es muss jemand da sein.

  2. Das Gegenstück ist cannot, nicht must not.

    The lights are off — nobody can be in.Es ist dunkel, es kann niemand da sein.

  3. will bezeichnet eine hohe Sicherheit über die Gegenwart, nicht die Zukunft.

    Do not answer — that will be my brother again.Geh nicht ran, das ist bestimmt wieder mein Bruder.

  4. could und might sind hier gleichwertig und beide schwach.

    She could be stuck in traffic.Vielleicht steht sie im Stau.

Genauer hingesehen

Eine Leiter von sicher bis unwahrscheinlich

Die Modalverben bilden eine durchgehende Reihe: must ganz oben, dann will, dann should, dann may, dann could und might, und cannot ganz unten. Jede Stufe sagt, wie sicher der Sprecher ist — nicht, wie wahrscheinlich die Sache wirklich ist.

Das Deutsche unterscheidet hier viel gröber und behilft sich mit Wörtern wie „bestimmt", „wohl" und „vielleicht". Wer sie in Modalverben übersetzt statt in Adverbien, trifft den englischen Ton genauer.

Ausnahmen und Sonderfälle (2)
  • bound to statt eines Modalverbs dasteht

    ist die Sache so gut wie sicher, ohne dass ein Beleg genannt wird.

    They are bound to notice sooner or later.Sie werden es früher oder später bestimmt merken.

    must braucht einen Beleg, bound to nicht — es genügt die Lebenserfahrung des Sprechers.

  • should eine Erwartung ausdrückt

    ist es schwächer als must und stärker als may.

    The parcel should arrive today.Das Paket müsste heute ankommen.

    Deutsch „müsste" trifft es genau — eine Erwartung mit einem Rest Zweifel.

Woran man es erkennt

  • must be
  • cannot be
  • should be
  • may be
  • might be
  • could be

Beispielsätze

You must be joking.Das ist doch nicht dein Ernst.

This cannot be the right key.Das kann nicht der richtige Schlüssel sein.

She should be finished by now.Sie müsste inzwischen fertig sein.

There might be another explanation.Vielleicht gibt es eine andere Erklärung.

Noch 6 Beispielsätze

There is nobody in the corridor — the meeting must have started.Auf dem Flur ist niemand, die Sitzung muss angefangen haben.

That cannot be her handwriting.Das kann nicht ihre Handschrift sein.

The keys should be in the top drawer.Die Schlüssel müssten in der obersten Schublade sein.

It may rain later, so take a coat.Es könnte später regnen, nimm eine Jacke mit.

That will be the courier at the door.Das ist bestimmt der Kurier an der Tür.

He might not know about the change yet.Vielleicht weiß er noch nichts von der Änderung.

Besonderheiten (3)
  • Adverb oder Modalverb — beides geht, nicht zusammen

    Perhaps she is at home und She may be at home sagen dasselbe. Beides in einem Satz zu häufen, klingt unsicher statt vorsichtig: Maybe she might possibly be at home ist dreimal derselbe Zweifel.

    She may be at home.Vielleicht ist sie zu Hause.

  • Die Verneinung wandert bei may und might nach innen

    She may not be at home verneint nicht die Möglichkeit, sondern das Zuhausesein: Es ist möglich, dass sie nicht da ist. Bei cannot ist es umgekehrt — dort wird die Möglichkeit selbst ausgeschlossen.

    He might not have heard the bell.Vielleicht hat er die Klingel nicht gehört.

  • must braucht einen Beleg

    Diese Sicherheit ist immer erschlossen, nie behauptet. Wer must be sagt, hat etwas gesehen, gehört oder gerechnet. Ohne Beleg wirkt der Satz anmaßend — dann sind should oder will die ehrlicheren Wörter.

    Her coat is here, so she must be in the building.Ihr Mantel hängt hier, sie muss also im Haus sein.

Die typisch deutsche Falle

Aufgepasst

Für Deutschsprachige ist must not hier die naheliegende Verneinung von must, und sie ist falsch. He must not be at home heißt nicht Er kann nicht zu Hause sein, sondern Er darf nicht zu Hause sein. Die Verneinung der Vermutung ist cannot.

Falsch:The office is dark — he must not be there.
Richtig:The office is dark — he cannot be there.

must be ganz oben, cannot be ganz unten — must not gehört auf eine andere Skala.

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