C2 · Satzbau
Was ans Satzende gehört
das Neue und das Lange zuletzt
Englische Sätze werden nach hinten schwerer — und die neue Information steht dort, wo das Gewicht liegt.
Ein englischer Satz hat zwei Prinzipien, die in dieselbe Richtung ziehen und nirgends geschrieben stehen. Das eine heißt Endgewicht: Was lang ist, kommt nach hinten. Das andere heißt Endfokus: Was neu ist, kommt nach hinten. Wer beide beachtet, schreibt Sätze, die niemand zweimal lesen muss.
Das Endgewicht erklärt, warum That nobody had checked the figures surprised us zwar richtig ist und trotzdem falsch klingt. Der Satz beginnt mit einem elf Wörter langen Subjekt und endet mit zwei. Umgestellt: It surprised us that nobody had checked the figures. Das it hält vorn den Platz frei, das Schwere steht hinten.
Der Endfokus erklärt die Wahl zwischen Aktiv und Passiv, zwischen give somebody something und give something to somebody, und zwischen zwei Anordnungen derselben Adverbiale. Nicht: der Satz sei im Passiv besser, sondern: das Passiv stellt dorthin, was betont gehört.
Beide Prinzipien sind der Grund, warum Übersetzungen aus dem Deutschen oft kopflastig geraten. Das Deutsche kann ein langes Attribut vor das Nomen schieben — die von niemandem geprüften Zahlen —, das Englische kann das nicht und hängt es hinten an: the figures that nobody had checked.
Die Form
| kopflastig | That the train was late annoyed everyone. |
| mit Endgewicht | It annoyed everyone that the train was late. |
| neutral | She gave the committee her resignation. |
| Fokus auf dem Empfänger | She gave her resignation to the committee. |
| Passiv als Umstellung | The clause was added by a lawyer nobody could name. |
Die Regeln im Einzelnen
Ein langer Nebensatz als Subjekt wird nach hinten gestellt und vorn durch it vertreten.
It is odd that nobody wrote it down.Es ist merkwürdig, dass es niemand aufgeschrieben hat.
Die neue Information gehört ans Ende, die bekannte an den Anfang.
The delay had one cause: a missing signature.Die Verzögerung hatte eine Ursache: eine fehlende Unterschrift.
Von zwei Objekten steht das längere hinten.
He showed me the letter he had kept for thirty years.Er zeigte mir den Brief, den er dreißig Jahre aufbewahrt hatte.
Das Passiv ist die Umstellung, mit der ein langer Urheber nach hinten kommt.
The decision was taken by people who never saw the site.Die Entscheidung fiel durch Leute, die den Ort nie gesehen haben.
Genauer hingesehen
Woran man einen kopflastigen Satz erkennt, bevor er stört
Die Probe ist mechanisch: Zählen Sie die Wörter bis zum finiten Verb. Sind es mehr als sechs oder sieben, steht zu viel vor der Stelle, an der der Satz erst anfängt zu sagen, was passiert. Das ist kein Fehler, aber fast immer ein Hinweis, dass es eine bessere Anordnung gibt.
Der zweite Blick gilt dem Ende. Steht dort das Wort, an das sich jemand erinnern soll? Falls dort eine Zeitangabe oder ein Ort steht, den der Leser ohnehin kennt, ist der Fokus verschenkt: The signature was missing on the second form, unfortunately endet auf einem Wort, das nichts trägt.
Und dann gibt es die Umkehr, die genau deshalb wirkt: Ein Satz, der bewusst kurz endet, nachdem drei lange gekommen sind. Das Prinzip zu kennen heißt auch, es an einer Stelle brechen zu können, an der das Brechen auffällt.
Ausnahmen und Sonderfälle (2)
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ein kurzer that-Satz das Subjekt ist
darf er vorn stehen; die Umstellung lohnt sich erst bei Länge.
That he lied was obvious.Dass er log, war offensichtlich.
Endgewicht ist eine Frage der Länge; bei drei Wörtern gibt es kein Gewicht zu verschieben.
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ein Adverbiale den Anschluss an den Satz davor herstellt
steht es vorn, obwohl es neu ist.
In the second year, everything changed.Im zweiten Jahr änderte sich alles.
Der Anschluss ist wichtiger als der Fokus: Wer den Faden verliert, liest das Satzende gar nicht erst.
Woran man es erkennt
- it is … that
- there is
- what … is
- by
Beispielsätze
It became clear only later that the two dates had never matched.Erst später wurde klar, dass die beiden Termine nie zusammengepasst hatten.
There remains one question nobody has answered.Es bleibt eine Frage, die niemand beantwortet hat.
She handed the keys to the woman who had waited all morning.Sie gab die Schlüssel der Frau, die den ganzen Vormittag gewartet hatte.
What surprised me was the silence afterwards.Was mich überraschte, war die Stille danach.
Into the room came a man nobody recognised.In den Raum kam ein Mann, den niemand erkannte.
Noch 6 Beispielsätze
It came as a surprise to everyone that she had resigned.Es überraschte alle, dass sie gekündigt hatte.
There arose a question nobody had thought to ask.Es stellte sich eine Frage, an die niemand gedacht hatte.
He gave the caretaker the keys to both back entrances.Er gab dem Hausmeister die Schlüssel zu beiden Hintereingängen.
What matters is not the price but the delivery date.Es kommt nicht auf den Preis an, sondern auf den Liefertermin.
The report was written by a committee of eleven people.Der Bericht wurde von einem elfköpfigen Ausschuss verfasst.
Into the room walked the man everyone had been waiting for.Herein kam der Mann, auf den alle gewartet hatten.
Besonderheiten (3)
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Bekanntes vorn, Neues hinten
Ein Satz knüpft am Anfang an das an, was schon gesagt wurde, und bringt am Ende, was hinzukommt. Wer diese Ordnung umdreht, schreibt Sätze, die einzeln richtig sind und im Absatz stolpern.
We tried three suppliers. The third one had the part.Wir haben drei Lieferanten versucht. Der dritte hatte das Teil.
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Das Passiv als Umstellwerkzeug
Das Passiv ist nicht nur eine Höflichkeitsform. Es ist oft der einzige Weg, einen langen Urheber ans Satzende zu bringen, und damit ein Mittel der Wortstellung — nicht der Verschleierung.
The decision was taken by everyone present at the meeting.Die Entscheidung wurde von allen Anwesenden getroffen.
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Von zwei Objekten steht das längere hinten
She showed the visitors the room ist glatt; She showed the room the visitors who had come from Oslo stolpert. Deshalb wandert das ausführliche Objekt nach hinten und nimmt bei Bedarf ein to zu sich.
He explained the change to everyone who asked.Er erklärte die Änderung jedem, der fragte.
Die typisch deutsche Falle
Aufgepasst
Endgewicht ist kein Freibrief für lange Sätze. Ein Satz, der hinten immer schwerer wird und nie aufhört, ist genauso schwer zu lesen wie ein kopflastiger — nur an einer anderen Stelle. Das Prinzip sagt, wohin das Gewicht gehört, nicht wie viel es sein darf.
Vorn steht, was der Leser schon hat. Hinten steht, wofür er den Satz liest.
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