B1 · Das Passiv
Wann das Passiv steht
und wann besser nicht
Vier gute Gründe — und einer, der keiner ist.
Das Passiv ist kein Stilmittel für gehobene Sprache, sondern ein Werkzeug mit vier Aufgaben. Erstens: Der Urheber ist unbekannt — My car was broken into. Zweitens: Er ist offensichtlich oder unwichtig — The results will be announced on Friday. Drittens: Man will ihn absichtlich nicht nennen — Mistakes were made. Viertens, und im Englischen der häufigste Grund: Der Satz soll mit dem beginnen, worum es schon vorher ging.
Dieser vierte Grund ist der eigentliche. Englisch stellt Bekanntes an den Anfang und Neues ans Ende. Wenn der vorige Satz von einem Gebäude handelte, beginnt der nächste mit dem Gebäude — auch wenn es die Handlung nicht ausführt.
Was das Passiv nicht ist: eine Möglichkeit, förmlicher zu klingen. In englischen Fachtexten gilt zu viel Passiv seit Langem als schlechter Stil, weil es verschweigt, wer etwas getan hat.
Die Form
| Urheber unbekannt | The window was broken during the night. |
| Urheber unwichtig | English is spoken here. |
| Urheber ungenannt | The decision was taken without us. |
| Anschluss an den Vortext | The report arrived on Monday. It was written by an external auditor. |
Die Regeln im Einzelnen
Ist der Urheber unbekannt oder egal, steht das Passiv.
The shop was robbed on Tuesday.Der Laden wurde am Dienstag überfallen.
Das Bekannte gehört an den Satzanfang, auch wenn es nicht handelt.
The painting is famous. It was bought by a museum.Das Gemälde ist berühmt. Es wurde von einem Museum gekauft.
Steht der Urheber ohnehin dabei und ist er wichtig, ist das Aktiv besser.
The committee rejected the plan.Der Ausschuss lehnte den Plan ab.
Das deutsche man wird im Englischen meist zum Passiv.
It is said that he has resigned.Man sagt, er sei zurückgetreten.
Genauer hingesehen
Das Passiv ordnet den Satz, es versteckt nicht
Das Passiv hat einen schlechten Ruf als Ausweichform für jemanden, der niemanden nennen will. Meistens tut es etwas anderes: Es stellt das Bekannte an den Anfang und das Neue ans Ende — genau dorthin, wo im Englischen die Aufmerksamkeit liegt.
Deshalb ist ein Text mit Passiv oft leichter zu lesen als einer ohne. Er springt weniger. Wer das Passiv pauschal meidet, zwingt den Leser bei jedem Satz zu einem neuen Anfang.
Ausnahmen und Sonderfälle (2)
-
ein Satz mit dem deutschen „man" anfängt
gibt es im Englischen kein Wort dafür und das Passiv springt ein.
English is spoken here.Hier spricht man Englisch.
one gibt es, klingt aber gehoben. you und they gehen auch, sind aber ungenauer.
-
in Anleitungen oder Berichten geschrieben wird
ist das Passiv die Normalform und nicht die Ausnahme.
The samples were kept at four degrees.Die Proben wurden bei vier Grad gelagert.
Wer die Probe gekühlt hat, ist für das Ergebnis gleichgültig — das ist der Sinn der Form.
Woran man es erkennt
- it is said
- it is believed
- it is known
- is expected to
- man → Passiv
Beispielsätze
Smoking is not permitted in this building.In diesem Gebäude darf nicht geraucht werden.
The road has been closed since Monday.Die Straße ist seit Montag gesperrt.
It is believed that the fire started in the kitchen.Man geht davon aus, dass das Feuer in der Küche ausbrach.
Applications must be received by 1 March.Bewerbungen müssen bis zum 1. März eingehen.
Noch 5 Beispielsätze
English is spoken here.Hier wird Englisch gesprochen.
The decision was taken last week.Die Entscheidung fiel letzte Woche.
Nothing has been decided yet.Es ist noch nichts entschieden.
The forms must be signed in blue ink.Die Formulare müssen mit blauer Tinte unterschrieben werden.
Applications are considered in the order received.Anträge werden in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet.
Besonderheiten (2)
-
Das Passiv verschweigt, und manchmal ist das der Zweck
Mistakes were made nennt keinen Verantwortlichen — und genau deshalb ist der Satz berühmt. Wer im Passiv schreibt, sollte wissen, ob er den Täter aus gutem Grund weglässt oder aus Bequemlichkeit.
Mistakes were made.Es wurden Fehler gemacht.
-
Englisch kann zwei Objekte ins Passiv setzen
Aus They gave her a prize werden zwei Passivsätze: She was given a prize und A prize was given to her. Das Deutsche kann nur das zweite — ihr wurde ein Preis verliehen —, und deshalb klingt She was given zunächst falsch.
She was given a second chance.Ihr wurde eine zweite Chance gegeben.
Die typisch deutsche Falle
Aufgepasst
Das deutsche man hat im Englischen keine gute Entsprechung. one klingt steif und altmodisch, you ist umgangssprachlich und meint den Angesprochenen. Der übliche Weg ist das Passiv: Man sagt, dass … wird zu It is said that …
Wer nicht zählt, verschwindet — das ist der Zweck des Passivs.
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