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Wortbildung im Englischen: Vorsilben und Nachsilben

Ein Wortschatz wächst auf zwei Arten. Die eine ist, neue Wörter zu lernen — das ist die langsame. Die andere sind die 40 Bausteine auf dieser Seite: Wer un- und -ness hat, hat mit happy gleich fünf Wörter.

Die Nachsilben sind dabei wichtiger als die Vorsilben, und zwar aus einem Grund, den man selten liest: Sie sagen die Wortart. Ein Wort auf -tion ist ein Nomen, eines auf -ise ein Verb, eines auf -ful ein Adjektiv. Damit lässt sich ein unbekanntes Wort im Satz einordnen, bevor man weiß, was es heißt.

Vorsilben, die verneinen

Vier Vorsilben für dasselbe — und keine Regel, welche wann.

BausteinBedeutungBeispiele
un-nicht, un-unhappy, unfair, unusual, unable, unknown
Die häufigste Verneinung und die erste, die man raten sollte, wenn man unsicher ist.
in-nicht (oft vor lateinischen Stämmen)incorrect, invisible, informal, incomplete
Vor l, m, p und r wandelt es sich: illegal, immature, impossible, irregular. Das ist keine Ausnahme, sondern Aussprache.
dis-das Gegenteil tundisagree, dislike, disappear, dishonest
non-nicht zugehörignon-smoking, non-profit, non-stop
non- verneint sachlich, un- oft wertend: a non-standard answer ist einfach anders, an unusual answer ist auffällig.
-lessohnehomeless, useless, careless, endless

Vorsilben, die etwas hinzufügen

Wieder, vorher, nachher, quer, gegen, selbst.

BausteinBedeutungBeispiele
re-wieder, noch einmalrewrite, rebuild, reopen, replace
pre-vorherprepay, preview, prehistoric, preheat
over-zu vielovercook, overpay, oversleep, overestimate
under-zu wenig, darunterunderpaid, underground, underestimate
mis-falschmisunderstand, misread, mislead, misspell
inter-zwischeninternational, interact, intervene
co-mit, gemeinsamcooperate, co-author, coexist
self-sich selbst, von selbstself-service, self-employed, self-taught, self-catering, self-confidence
Der Bindestrich bleibt, anders als bei den meisten anderen Vorsilben, und er bleibt auch bei ganz geläufigen Wörtern. Nur wo self- längst zu einem eigenen Wort verwachsen ist, fällt er weg: selfish, selfless.
post-nach, danachpost-war, post-industrial, postgraduate, post-mortem
Das Gegenstück zu pre-. Wer eines von beiden hat, kann das andere raten — und das ist der ganze Sinn dieser Seite.
cross-quer, über eine Grenze hinwegcross-border, cross-check, cross-reference, cross-country
out-mehr, länger oder weiter als jemand anderesoutlive, outlast, outrank, outnumber, outgrow
Nicht zu erraten: outlive heißt nicht „hinausleben", sondern „länger leben als". Wer das Muster hat, versteht outlast und outrank sofort mit — und outside, outcome und output gerade nicht, denn dort ist out- etwas anderes.
anti-gegenantifreeze, anti-theft, antibiotic, anticlockwise
Nicht dasselbe wie non-: anti- heißt „dagegen gerichtet", non- heißt nur „nicht". Ein anti-war film ist gegen den Krieg, ein non-war film handelt nicht davon.

Nachsilben, die Nomen machen

Woran man ein Nomen erkennt, bevor man es kennt.

BausteinBedeutungBeispiele
-tionNomen aus einem Verbinformation, decision, production, connection
Fast immer die deutsche Endung -tion — eines der wenigen Muster, das man eins zu eins übertragen darf.
-mentNomen aus einem Verb (Ergebnis)agreement, payment, movement, improvement
-nessNomen aus einem Adjektiv (Eigenschaft)darkness, happiness, illness, kindness
-ityNomen aus einem Adjektiv (Zustand)ability, possibility, quality, safety
-erdie Person oder das Ding, das es tutteacher, writer, printer, employer
Dieselbe Idee gibt es ein zweites Mal, mit -or geschrieben — siehe unten. Raten lässt sich nicht, welche von beiden.
-eedie Person, an der es geschiehtemployee, trainee, interviewee
Das Paar employer/employee ist das klarste Beispiel: -er tut, -ee erfährt.
-shipZustand oder Verhältnisfriendship, membership, relationship
-ingdie Tätigkeit als Nomenbuilding, meeting, training, reading
-ordasselbe wie -er, anders geschriebenactor, editor, auditor, supervisor, conductor
Es gibt keine Regel, die trägt, aber eine Neigung: -or sitzt auf Stämmen aus dem Lateinischen, besonders nach -ate, -ct und -it — educator, actor, editor, auditor. Alles andere nimmt -er. Im Zweifel -er: das ist häufiger und wird eher verziehen.
-ance / -enceNomen aus einem Verb oder Adjektiv (Vorgang oder Eigenschaft)difference, appearance, acceptance, dependence, allowance
Welche der beiden Schreibweisen ein Wort nimmt, ist nicht zu hören und nicht abzuleiten: appearance, aber difference. Man lernt sie am Wort und nicht an der Regel — die Regel sagt nur, dass es ein Nomen ist.
-agedas Ergebnis oder die Menge einer Handlungcoverage, blockage, storage, shortage, breakage
Deutsch endet dasselbe oft auf -ung. Nicht zu verwechseln mit dem französischen -age, das im Deutschen so bleibt: Garage, Etage.
-ery / -ryder Ort, an dem es gemacht wird — oder das Fachbakery, brewery, foundry, chemistry, forestry
Zwei Bedeutungen in einer Endung: ein Ort (bakery) oder ein ganzes Fach (chemistry). Welche von beiden gemeint ist, sagt der Stamm — nicht die Endung.

Nachsilben, die Adjektive machen

Voll davon, ohne davon, ähnlich, fähig.

BausteinBedeutungBeispiele
-fulvoll davonuseful, careful, helpful, powerful
Immer mit einem l, nie mit zwei — anders als das Wort full.
-ablekann getan werdenreadable, washable, comfortable, reliable
-ivemit dieser Eigenschaftactive, creative, expensive, effective
-algehört dazu, betrifft esnational, personal, musical, central
-ousgeprägt davondangerous, famous, nervous, generous
-yso beschaffenrainy, noisy, sleepy, salty
-icfachlich zugehörigeconomic, electric, basic, specific

Nachsilben, die Verben machen

Aus einem Zustand wird eine Handlung.

BausteinBedeutungBeispiele
-ise / -izezu etwas machenorganise, modernise, apologise, realise
Britisch -ise, amerikanisch -ize. Beides ist richtig; wer sich für eines entscheidet, sollte dabei bleiben.
-enetwas werden lassenshorten, widen, strengthen, darken
-ifyzu etwas machen (förmlicher)simplify, clarify, identify, justify

Die Nachsilbe, die Adverbien macht

Eine einzige — und die regelmäßigste von allen.

BausteinBedeutungBeispiele
-lymacht aus einem Adjektiv ein Adverb: „auf diese Art"slowly, quietly, carefully, separately, differently
Die regelmäßigste Bildung im ganzen Englischen und die einzige für Adverbien — deutsch braucht dafür gar nichts, weshalb sie beim Sprechen als Erstes wegfällt. Aus -y wird -ily: happy → happily, easy → easily. Und eine Handvoll trägt die Endung, ohne die Bedeutung mitzubringen: hardly heißt nicht „hart", sondern „kaum", lately nicht „spät", sondern „in letzter Zeit". Diese wenigen stehen im Wortschatz und nicht in dieser Regel.

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