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Betonung ohne Stimme

do-Verstärkung und Wortwahl

I do believe — wie geschriebenes Englisch Nachdruck erzeugt.

Gesprochenes Englisch betont durch Lautstärke. Geschriebenes kann das nicht und hat dafür eigene Mittel — kursive Schrift gilt dabei als das schwächste davon.

Das erste Mittel ist die do-Verstärkung: Vor ein Vollverb, das sonst kein Hilfsverb hätte, tritt do, does oder did und trägt die Betonung. I do believe you. She did tell me, actually. Auch im Imperativ: Do sit down.

Das zweite sind verstärkende Wörter an der richtigen Stelle: indeed, actually, really, certainly, by far, absolutely. Und das dritte ist die Wiederholung eines Satzteils am Ende: It was a long day, a very long day.

Verstärkung nutzt sich ab. Ein Text, in dem jeder zweite Satz ein really oder absolutely trägt, betont nichts mehr — was das Deutsche mit den Partikeln ja, doch und eben leichter verkraftet als das Englische.

Die Form

do-VerstärkungI do like it.
VergangenheitShe did warn us.
ImperativDo come in.
VerstärkungIt was by far the best.
WiederholungIt was cold — bitterly cold.

Die Regeln im Einzelnen

  1. do tritt nur vor Vollverben, die sonst kein Hilfsverb hätten.

    I did send the email — check your spam folder.Ich habe die Mail sehr wohl geschickt.

  2. Nach do steht die Grundform, do trägt die Zeit.

    He does know the answer.Er weiß die Antwort sehr wohl.

  3. Im Imperativ macht do die Aufforderung freundlicher, nicht schärfer.

    Do let me know if anything changes.Sagen Sie mir ruhig Bescheid, falls sich etwas ändert.

  4. Verstärkende Wörter wirken nur, wenn sie selten sind.

    That is indeed the case.Das ist tatsächlich so.

Genauer hingesehen

Kursive Schrift ist das schwächste Mittel

Ein kursiv gesetztes Wort verlangt vom Leser, sich eine Betonung vorzustellen, die er nicht hört. Ein do davor baut sie in den Satz ein: Es steht dort, wo im Gesprochenen die Lautstärke läge, und wirkt auch beim stillen Lesen.

Englische Stilanleitungen sagen es deshalb so: Kursiv erst, wenn der Satzbau nichts mehr hergibt. Wer dreimal auf einer Seite kursiv setzt, hat dreimal einen Satz nicht umgebaut.

I did warn you about this.Ich habe dich ja gewarnt.

Deutsch betont mit Partikeln, Englisch mit Bau

Deutsch hat ja, doch, eben, halt, mal und wohl — winzige Wörter, die eine Haltung tragen und kaum auffallen. Das Englische hat sie nicht und erledigt dieselbe Arbeit mit dem Satzbau: mit do, mit einer Umstellung, mit einem Cleft-Satz.

Das erklärt, warum wörtlich übersetzte deutsche Sätze im Englischen entweder flach oder überdreht klingen. „Das ist doch klar" wird weder zu „That is clear" noch zu „That is absolutely clear", sondern zu „Surely that is clear" oder „That much is clear".

That much is clear.Das ist doch klar.

Ausnahmen und Sonderfälle (3)
  • bereits ein Hilfsverb im Satz sitzt

    ist do ausgeschlossen und ein Verstärkungswort tritt an seine Stelle.

    I have indeed read the whole report.Ich habe den ganzen Bericht tatsächlich gelesen.

    Ein I do have read gibt es nicht. Wo do keinen Platz findet, übernehmen indeed, certainly oder actually die Aufgabe.

  • quite vor einem abstufbaren Adjektiv steht

    schwächt es im britischen Englisch ab, statt zu verstärken.

    The film was quite good, but not great.Der Film war ganz gut, aber nicht großartig.

    Britisch heißt quite good ganz gut und damit weniger als good; amerikanisch heißt es ziemlich gut und damit mehr. Vor absoluten Adjektiven — quite impossible — verstärkt es überall.

  • ein Satzteil am Ende wiederholt wird

    braucht die Wiederholung eine Steigerung.

    It was a long meeting, a very long meeting.Es war eine lange Sitzung, eine sehr lange Sitzung.

    Die nackte Wiederholung ohne very oder ein zweites Adjektiv liest sich wie ein Versehen und nicht wie Nachdruck.

Woran man es erkennt

  • do believe
  • did say
  • indeed
  • by far
  • absolutely
  • Do come in.

Beispielsätze

I do apologise for the delay.Ich bitte vielmals um Entschuldigung für die Verzögerung.

She did try, several times.Sie hat es sehr wohl versucht, mehrmals sogar.

This is by far the simplest solution.Das ist mit Abstand die einfachste Lösung.

Noch 6 Beispielsätze

I do understand your position.Ich verstehe Ihren Standpunkt durchaus.

She does know the answer; she just will not say it.Sie kennt die Antwort sehr wohl, sie sagt sie nur nicht.

Do come in.Kommen Sie doch herein.

They did warn us, to be fair.Sie haben uns fairerweise gewarnt.

This is by far the better option.Das ist mit Abstand die bessere Möglichkeit.

It was the very thing we had been looking for.Es war genau das, was wir gesucht hatten.

Besonderheiten (3)
  • do trägt die Zeit, das Verb steht nackt

    He did tell me, nicht He did told me. Wie in jeder Frage und jeder Verneinung übernimmt do die Zeitform, und das Vollverb geht in die Grundform zurück — nur dass es hier betont statt gefragt wird.

    She does remember, she told me so.Sie erinnert sich sehr wohl, sie hat es mir gesagt.

  • Im Imperativ macht do freundlicher

    Do sit down ist einladender als Sit down, nicht schärfer. Das überrascht, weil dieselbe Verstärkung in der Aussage nach Widerspruch klingt. Im Imperativ ist sie eine Geste der Gastfreundschaft.

    Do let me know if anything changes.Sagen Sie mir doch Bescheid, falls sich etwas ändert.

  • Ein Nachdruck, der sich abnutzt

    do, very, really, by far — sie wirken, solange sie selten sind. Ein Text, in dem jeder zweite Satz verstärkt wird, liest sich schwächer als einer ohne jede Verstärkung, weil nichts mehr hervorsticht.

    That is the one point I do want to make.Das ist der eine Punkt, auf den es mir ankommt.

Die typisch deutsche Falle

Aufgepasst

Die deutschen Abtönungspartikeln — ja, doch, eben, halt, mal — haben im Englischen keine Entsprechung und werden gern durch Adverbien ersetzt, die viel stärker wirken. Sag mir mal Bescheid ist nicht Tell me absolutely, sondern Do let me know oder einfach Let me know.

Falsch:I really absolutely think you should definitely come.
Richtig:I do think you should come.

do trägt die Betonung — und je seltener, desto mehr.

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