C1 · Das Passiv
It is said that … / He is said to …
das berichtende Passiv
Wie man etwas weitergibt, ohne dafür geradezustehen.
Für Aussagen, deren Urheber unbestimmt bleibt — Gerüchte, allgemeine Annahmen, Presseberichte — gibt es zwei feste Bauformen. Die erste beginnt mit einem unpersönlichen it: It is said that the company is in trouble.
Die zweite zieht das Subjekt des Nebensatzes nach vorn und hängt einen Infinitiv an: The company is said to be in trouble. Beide sagen dasselbe; die zweite ist im Journalismus die übliche.
Liegt der berichtete Vorgang zeitlich vor dem Bericht, steht der Infinitiv Perfekt: He is said to have left the country. Typische Verben sind say, believe, think, know, report, expect, consider, allege.
Die Form
| mit it | It is believed that she resigned. |
| mit Infinitiv | She is believed to have resigned. |
| gleichzeitig | He is thought to be abroad. |
| vorzeitig | He is thought to have gone abroad. |
Die Regeln im Einzelnen
Beide Bauformen sind gleichwertig; die Infinitivfassung ist knapper.
The talks are expected to continue.Die Gespräche werden voraussichtlich fortgesetzt.
Vorzeitiges steht im Infinitiv Perfekt: to have plus dritter Stamm.
The painting is known to have been stolen in 1968.Bekanntlich wurde das Gemälde 1968 gestohlen.
Diese Form nimmt dem Sprecher die Verantwortung für die Aussage ab.
He is alleged to have taken the money.Ihm wird vorgeworfen, das Geld genommen zu haben.
Genauer hingesehen
Wer spricht, wenn niemand genannt wird
It is said that … nennt keinen Urheber, und genau das ist der Zweck. Der Sprecher gibt etwas weiter, ohne dafür einzustehen. In Zeitungen, Gutachten und Verwaltungstexten ist das die häufigste Form überhaupt.
Das macht sie zu einer Form, die man lesen können muss, bevor man sie schreibt: Wo sie steht, fehlt eine Quelle — und es lohnt sich zu fragen, wer eigentlich sagt, was da gesagt wird.
Ausnahmen und Sonderfälle (2)
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die Infinitivfassung gewählt wird
wandert das Subjekt aus dem Nebensatz nach vorn.
The company is thought to be in trouble.Das Unternehmen soll in Schwierigkeiten stecken.
Aus It is thought that the company is in trouble wird dasselbe in einem Satz weniger.
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das Berichtete vor dem Bericht liegt
steht der Infinitiv Perfekt.
He is believed to have left the country.Er soll das Land verlassen haben.
Ohne das have hieße es, er verlasse das Land gerade.
Woran man es erkennt
- it is said
- is believed to
- is expected to
- is reported to
- is thought to
Beispielsätze
The company is reported to be losing money.Berichten zufolge macht die Firma Verluste.
It is thought that the fire was an accident.Man geht davon aus, dass das Feuer ein Unfall war.
She is known to have worked there for years.Sie hat dort bekanntlich jahrelang gearbeitet.
Noch 6 Beispielsätze
It is believed that the painting was stolen in 1972.Man nimmt an, dass das Gemälde 1972 gestohlen wurde.
The minister is expected to resign this week.Es wird erwartet, dass die Ministerin diese Woche zurücktritt.
He is said to have left the country.Er soll das Land verlassen haben.
It was reported that no one had been injured.Es hieß, es sei niemand verletzt worden.
The building is thought to date from the fifteenth century.Das Gebäude stammt vermutlich aus dem fünfzehnten Jahrhundert.
Talks are understood to be continuing.Die Gespräche werden offenbar fortgesetzt.
Besonderheiten (3)
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Wer sagt das eigentlich?
Diese Form nennt niemanden. Das ist im Journalismus oft nötig und in einem Bericht oft zu bequem: is said to be verschweigt die Quelle vollständig. Wo eine Quelle da ist, gehört sie in den Satz.
The company is said to be in talks.Das Unternehmen soll in Gesprächen sein.
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Vorzeitigkeit steckt im Infinitiv
He is said to be ill meint jetzt, He is said to have been ill meint damals. Das Einleitungsverb bleibt in beiden Fällen in der Gegenwart — die Zeit sitzt im Infinitiv, nicht vorn.
She is known to have refused the offer.Sie hat das Angebot bekanntlich abgelehnt.
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Das deutsche „sollen" trifft es genau
He is said to have resigned heißt „Er soll zurückgetreten sein" — und wie im Deutschen sagt der Satz nichts darüber, ob es stimmt. Wer es mit „muss" oder „wird" übersetzt, legt sich fest, wo das Englische offen bleibt.
The house is said to be haunted.Das Haus soll ein Gespenst haben.
Die typisch deutsche Falle
Aufgepasst
Der Infinitiv Perfekt wird gern vergessen, und dann verschiebt sich die Zeit. He is said to be ill heißt: Er ist krank. He is said to have been ill heißt: Er war krank. Wer das Erste sagt und das Zweite meint, behauptet etwas über die Gegenwart, das er gar nicht sagen wollte.
Gleichzeitig: to be. Vorher: to have been.
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