B1 · Modalverben
may, might, be allowed to
Erlaubnis und Möglichkeit
Dürfen — und die vorsichtige Vermutung.
may hat zwei Bedeutungen. Die erste ist die förmliche Erlaubnis: May I come in? Sie ist höflicher als can und gehört in geschriebene Regeln und in den Umgang mit Fremden. Die zweite ist die Möglichkeit: She may be at home — vielleicht ist sie zu Hause.
might ist im heutigen Englisch keine Vergangenheit von may, sondern eine Abstufung: Es macht die Vermutung unsicherer. She may come heißt, es ist gut möglich; She might come heißt, es ist denkbar. Der Unterschied ist klein, aber hörbar.
Für Erlaubnis in anderen Zeitformen steht be allowed to: We were allowed to stay. may not verbietet, dabei ist es förmlicher und weniger scharf als must not.
Die Form
| Erlaubnis | May I use your phone? |
| Möglichkeit | It may rain later. |
| vorsichtiger | It might rain later. |
| andere Zeiten | We were allowed to take photographs. |
Die Regeln im Einzelnen
may fragt förmlich nach Erlaubnis, can tut es im Alltag.
May I ask what this is about?Darf ich fragen, worum es geht?
might drückt eine unsicherere Möglichkeit aus als may.
He might have missed the train.Vielleicht hat er den Zug verpasst.
Für Erlaubnis in Vergangenheit und Zukunft steht be allowed to.
You will be allowed to enter after six.Ab sechs dürfen Sie hinein.
may as well und might as well heißen: Es spricht nichts dagegen.
We might as well walk — the bus is not coming.Wir können genauso gut laufen, der Bus kommt nicht.
Genauer hingesehen
might ist keine Vergangenheit
Der Form nach ist might die Vergangenheit von may, der Bedeutung nach ist es das nicht. Beide sprechen über die Gegenwart oder die Zukunft; might drückt nur weniger Sicherheit aus.
Das ist dieselbe Verschiebung wie bei can und could: Aus einer Zeitform ist eine Abstufung geworden. Wer Vergangenheit ausdrücken will, braucht may have oder might have.
Ausnahmen und Sonderfälle (2)
-
may vor einem but steht
räumt es etwas ein, statt eine Möglichkeit zu nennen.
He may be right, but I still disagree.Er mag recht haben, aber ich sehe es anders.
Dieselbe Wendung wie im deutschen „mag sein, aber …".
-
might einen Rat einleitet
ist es die vorsichtigste Form, einen Vorschlag zu machen.
You might want to check the date.Vielleicht sehen Sie noch einmal aufs Datum.
Wörtlich heißt es „Sie könnten wollen" — das ist so indirekt, dass niemand sich bevormundet fühlt.
Woran man es erkennt
- may
- might
- perhaps
- possibly
- be allowed to
Beispielsätze
You may leave when you have finished.Sie dürfen gehen, wenn Sie fertig sind.
She might not have heard you.Vielleicht hat sie dich nicht gehört.
Visitors may not use the side entrance.Besucher dürfen den Seiteneingang nicht benutzen.
It may be too late already.Vielleicht ist es schon zu spät.
Noch 6 Beispielsätze
It may rain later.Es regnet vielleicht später.
She might not come at all.Vielleicht kommt sie gar nicht.
May I ask a question?Darf ich eine Frage stellen?
Guests may use the garden.Gäste dürfen den Garten benutzen.
He might have missed the train.Vielleicht hat er den Zug verpasst.
We were not allowed to take photographs.Wir durften nicht fotografieren.
Besonderheiten (3)
-
may ist die Erlaubnis und die Möglichkeit zugleich
May I come in? fragt um Erlaubnis. It may rain nennt eine Möglichkeit. Dasselbe Wort, und was gemeint ist, entscheidet der Satzbau: Frage mit I oder we ist Erlaubnis.
May I sit here? — It may be too late.Darf ich hier sitzen? — Es könnte zu spät sein.
-
might ist unsicherer als may — ein wenig
Der Unterschied ist klein und wird oft überschätzt. might klingt eine Spur zurückhaltender, und in der Vergangenheit ist es die übliche Form: he might have forgotten.
She might have forgotten.Vielleicht hat sie es vergessen.
-
Für die Vergangenheit braucht es be allowed to
may hat keine Vergangenheitsform in der Bedeutung Erlaubnis. Statt I mayed steht I was allowed to — die Umschreibung ist hier nicht Stil, sondern Notwendigkeit.
We were allowed to stay until midnight.Wir durften bis Mitternacht bleiben.
Die typisch deutsche Falle
Aufgepasst
Deutschsprachige übersetzen vielleicht gern mit maybe am Satzanfang und lassen das Modalverb weg. Das ist nicht falsch, klingt aber in geschriebenem Englisch schnell umgangssprachlich. Und Vorsicht bei may not: Das ist ein Verbot, nicht die verneinte Möglichkeit — dafür steht might not oder may not im Sinne von könnte nicht, was nur aus dem Zusammenhang hervorgeht.
may darf und mag sein. might ist dasselbe, nur unsicherer.
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