Die ganze Grammatik
100 Themen in 20 Bereichen. Jedes Thema hat eine Stufe, eine Erklärung auf Deutsch, Beispielsätze mit Übersetzung, den typischen deutschen Fehler und eigene Übungen.
Zeiten
21 Themen · A1–B2Wann etwas passiert, und was wäre, wenn.
Rund ums Verb
26 Themen · A1–B2Sein, haben, müssen — und die Formen, die keinen Handelnden nennen.
Wörter und ihre Formen
30 Themen · A1–B1Artikel, Nomen, Adjektive und die kleinen Wörter dazwischen.
Schrift und Klang
9 Themen · A1–B2Die Grammatik, die man sieht und nicht hört — und die Kleinigkeiten daneben.
Der Satz
14 Themen · A1–B2Fragen, Verneinung und die Wörter, die Sätze verbinden.
Zeiten
Die Gegenwart
6 ThemenFranzösische Verben teilen sich nach ihrer Endung in der Grundform: -er, -ir, -re. Der erste Satz ist der bei weitem größte — wer ihn kann, kann vier von fünf Verben. Ungewöhnlich für einen deutschen Lerner ist etwas anderes: Vier der sechs Formen klingen gleich. je parle, tu parles, il parle und ils parlent sind beim Hören dasselbe Wort. Der Unterschied steht nur da — und deshalb steht auch das Pronomen immer dabei.
Die Vergangenheit
6 ThemenDas Französische erzählt mit zwei Vergangenheiten, und die Wahl zwischen ihnen ist nicht die zwischen Perfekt und Präteritum. Das Passé composé nennt, was geschehen ist; das Imparfait nennt, was war und lief. Il pleuvait quand je suis sorti — es regnete, als ich hinausging: eine Lage und ein Ereignis darin. Davor liegt noch eine zweite Frage, die das Deutsche kennt und das Spanische nicht: Welches Hilfsverb? Die meisten Verben nehmen avoir, eine kleine Gruppe nimmt être — und bei dieser Gruppe richtet sich das Partizip nach dem Subjekt.
Die Zukunft
5 ThemenWie im Deutschen steht die Zukunft meistens gar nicht in einer Zukunftsform: Demain je travaille reicht. Wo es doch eine braucht, gibt es zwei. Das futur proche — aller plus Grundform — ist die Form des Gesprächs und die einzige, die man am ersten Tag braucht. Das futur simple ist eine eigene Endungsreihe und steht im geschriebenen Text, in Vorhersagen und in Versprechen. Dieselben Stämme trägt der Conditionnel, weshalb beide hier zusammenstehen.
Wenn-Sätze
4 ThemenEin Bedingungssatz besteht aus zwei Hälften, und die Zeitform der einen legt die der anderen fest. Es gibt genau drei Paare, und zwischen ihnen liegt der Unterschied zwischen einer Möglichkeit, einer Vorstellung und einem Bedauern. Die eine Regel, die alle drei tragen, ist eine Verbotsregel: <b>nach si steht nie das Conditionnel und nie das Futur.</b> Sie klingt willkürlich und ist die einzige, die man wirklich auswendig braucht — im Deutschen steht in beiden Hälften die würde-Form, im Französischen nur in einer.
Rund ums Verb
Sein, haben und es gibt
5 ThemenDas Französische hat nur ein Wort für „sein" — das ist einfacher als im Spanischen. Dafür verschiebt es die Grenze an einer anderen Stelle: Alter, Hunger, Durst, Angst und Kälte stehen mit avoir. J’ai vingt ans heißt wörtlich „ich habe zwanzig Jahre", und wer hier être nimmt, sagt etwas, das niemand versteht. Beide Verben sind völlig unregelmäßig und beide werden am ersten Tag gebraucht — auch als Hilfsverben für die Vergangenheit, die später kommt.
Können, müssen, wollen
4 ThemenDas Französische hat keine eigene Wortart für die Modalverben — es sind gewöhnliche Verben, nur unregelmäßig gebeugt, und danach folgt die Grundform ohne alles: je peux venir. Vier tragen fast alles: pouvoir, devoir, vouloir, savoir. Zwei Stellen kosten deutsche Lerner regelmäßig einen Satz. „Können" ist im Deutschen ein Wort und im Französischen zwei: pouvoir für die Gelegenheit, savoir für die erlernte Fähigkeit. Und das häufigste Müssen hat gar kein Subjekt: il faut steht ein für alle Personen.
Bitten und Befehle
4 ThemenDer Imperativ ist die Gegenwart ohne das Subjekt: aus tu parles wird parle. Das gilt für drei Personen und nur für diese drei — tu, nous, vous —, denn nur wen man anspricht, kann man auch auffordern. Die nous-Form ist die, die es im Deutschen so nicht gibt: Allons-y ! heißt „Gehen wir!" und ist ein eigener Satztyp, keine Frage. Zwei Dinge machen die Sache heikel: Bei den Verben auf -er fällt in der du-Form das s weg, und die Pronomen wandern — bejaht hinter das Verb, verneint davor.
Der Subjonctif
4 ThemenDer Subjonctif hat den Ruf, die Haltung des Sprechers auszudrücken — Wunsch, Zweifel, Gefühl. Praktisch nützlicher ist die andere Beschreibung: Er steht nach einer überschaubaren Liste von Ausdrücken, und wer die Liste kennt, trifft ihn jedes Mal. Il faut que, je veux que, bien que, pour que, avant que — danach steht er, ob man Zweifel empfindet oder nicht. Er steht fast immer im Nebensatz nach que und fast nie allein. Und er hat nur eine Form, die man im Alltag wirklich braucht: die Gegenwart.
Das Passiv
4 ThemenDas französische Passiv ist gebaut wie das deutsche: être plus Partizip, und das Partizip richtet sich nach dem Subjekt — la lettre est écrite. Der Unterschied liegt nicht im Bau, sondern im Gebrauch. Wo das Deutsche gern ein Passiv nimmt, nimmt das Französische meistens on: On parle français ici statt „Hier wird Französisch gesprochen." Wer jeden deutschen Passivsatz Wort für Wort überträgt, schreibt Französisch, das richtig ist und trotzdem übersetzt klingt.
Was nach einem Verb steht
5 ThemenWenn im Französischen zwei Verben aufeinandertreffen, steht das zweite in der Grundform — so weit ist es einfacher als das Deutsche, das dafür „zu" braucht und den Satz umbaut. Die ganze Schwierigkeit steckt in dem, was dazwischen steht: je veux partir, aber je commence à partir und je décide de partir. Nichts, à oder de — das hängt am ersten Verb und ist nicht abzuleiten, sondern zu lernen. Dieser Bereich sortiert die häufigsten in drei Listen und zeigt die vier Fälle, in denen dieselbe Wahl die Bedeutung ändert.
Wörter und ihre Formen
Die Artikel
5 ThemenVor einem französischen Nomen steht fast immer ein Artikel, auch dort, wo das Deutsche keinen setzt: J’aime le café, Les enfants jouent. Und es gibt eine Art, die das Deutsche gar nicht hat — den Teilungsartikel. du pain, de la viande: vor allem, was man nicht zählen kann. Er ist die erste Stelle, an der Wort-für-Wort-Übersetzen sicher schiefgeht, und zugleich eine der häufigsten Formen der Sprache. Deshalb steht dieser Bereich früh und nicht am Rand.
Die Nomen
9 ThemenEin französisches Nomen hat ein Geschlecht, und es ist bei jedem zweiten ein anderes als im Deutschen: le soleil ist männlich, la lune weiblich — im Deutschen genau umgekehrt. Ein sächliches Geschlecht gibt es nicht. Die Mehrzahl ist dagegen einfach zu bilden und schwer zu hören: Das -s wird nicht gesprochen. l’ami und les amis unterscheiden sich nur im Artikel — und das ist der Grund, warum der Artikel im Französischen so selten fehlen darf.
Die Adjektive
5 ThemenZwei Dinge sind anders als im Deutschen, und beide fallen sofort auf. Ein französisches Adjektiv richtet sich nach dem Nomen — im Geschlecht und in der Zahl —, und es steht in der Regel <b>hinter</b> ihm: une voiture rouge. Nur eine kleine, aber sehr häufige Gruppe steht davor: un grand jardin. Die Liste dieser Gruppe ist kurz genug, um sie auswendig zu lernen — und lang genug, dass man ohne sie in jedem zweiten Satz danebenliegt.
Die Pronomen
6 ThemenEin französisches Objektpronomen steht <b>vor</b> dem Verb: je le vois, „ich sehe ihn". Das ist die erste Umstellung. Die zweite sind zwei Pronomen, die das Deutsche gar nicht hat: y für einen Ort oder eine Sache mit à, en für eine Menge oder eine Sache mit de. J’y vais, j’en ai deux. Und wenn mehrere zusammenkommen, ist ihre Reihenfolge fest — sie lässt sich nicht nach Gefühl setzen.
Die kleinen Wörter
5 ThemenPräpositionen lassen sich nicht aus dem Deutschen übersetzen, sondern nur zusammen mit dem Wort lernen, an dem sie hängen. Zwei Dinge machen sie im Französischen zusätzlich schwer. Erstens verschmelzen à und de mit dem bestimmten Artikel: à + le → au, de + les → des — und wer die Verschmelzung vergisst, schreibt etwas, das es nicht gibt. Zweitens entscheidet bei Ländern und Städten das Geschlecht darüber, welches Wort steht: en France, aber au Portugal und à Paris.
Schrift und Klang
Schrift und Klang
4 ThemenDiesen Bereich gibt es in den beiden anderen Sprachpaaren nicht, und er ist der Grund, warum Französisch als schwer gilt. Ein großer Teil der Grammatik ist nur zu sehen: il parle und ils parlent klingen gleich, ami und amis klingen gleich, parlé, parler und parlez klingen gleich. Umgekehrt tauchen im Klang Dinge auf, die nicht dastehen: Die Liaison verbindet ein stummes Endzeichen mit dem nächsten Wort. Wer nur liest, versteht kein Gespräch; wer nur hört, schreibt jeden zweiten Satz falsch. Beides braucht seine eigene Aufmerksamkeit.
Feinschliff
5 ThemenWas hier steht, entscheidet keinen Satz und trotzdem den Eindruck. c’est und il est heißen beide „er ist" und stehen an verschiedenen Stellen; tout ist einmal Adjektiv und einmal Adverb und ändert danach seine Endung oder eben nicht; und die französische Zeichensetzung setzt vor doppelte Satzzeichen ein Leerzeichen, wo das Deutsche keines kennt. Nichts davon ist schwer. Alles davon fällt sofort auf, wenn es fehlt.
Der Satz
Fragen und Verneinung
5 ThemenVerneint wird im Französischen mit zwei Wörtern, und sie umklammern das Verb: ne … pas. Gesprochen fällt das ne fast immer weg — geschrieben nie. Wer die Sprache nur hört, lernt sie ohne ne; wer sie nur liest, versteht die Hälfte des Gesprochenen nicht. Beim Fragen gibt es drei Wege, und sie unterscheiden sich nicht in der Bedeutung, sondern im Ton: die Betonung allein, est-ce que davor, oder die Umstellung von Verb und Pronomen.
Sätze verbinden
4 ThemenZwei Sätze werden im Französischen nicht durch die Wortstellung verbunden, sondern durch ein kleines Wort, und die Wortstellung bleibt dieselbe wie im Hauptsatz: Subjekt, Verb, Rest. Das ist die gute Nachricht für deutsche Lerner — das Verb wandert nicht ans Ende. Die Arbeit steckt woanders: Welches der vier Wörter steht, entscheidet nicht die Bedeutung, sondern welche Rolle das Wort im Nebensatz spielt. qui ist Subjekt, que ist Objekt, dont ersetzt ein de, où steht für Ort und Zeit. Und keines von ihnen darf weggelassen werden.
Indirekte Rede
5 ThemenDas Deutsche hat für die indirekte Rede den Konjunktiv — er sagte, er sei müde. Das Französische hat ihn dafür nicht. Es verschiebt stattdessen die Zeitform um eine Stufe zurück, und zwar nur dann, wenn das einleitende Verb in der Vergangenheit steht. Steht es in der Gegenwart, ändert sich gar nichts. Das ist die ganze Regel, und sie ist mechanisch: il dit qu’il est fatigué gegen il a dit qu’il était fatigué. Was sich außerdem mitändert, ist alles, was vom Standpunkt des Sprechers abhängt — die Person, der Ort, die Zeit.