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Französische Aussprache: 36 Minimalpaare zum Hören

Ein Minimalpaar sind zwei Wörter, die sich in genau einem Laut unterscheiden: ship und sheep, bad und bed. Wer sie auseinanderhält, hat den Laut. Wer nicht, sagt jahrelang dasselbe Wort und wundert sich über Rückfragen.

Diese Liste ist kürzer als die üblichen, weil sie einer einzigen Regel folgt: Es stehen nur die Unterschiede darauf, die es im Deutschen nicht gibt. Mit pin und pen hat ein deutscher Sprecher keine Mühe — beide Vokale kennt er. Mit ship und sheep schon.

Deshalb sagt jede der 5 Gruppen zuerst, was ein deutscher Sprecher stattdessen tut. Das ist die eigentliche Auskunft; die Wörter darunter sind Belege. Eine Lautschrift steht hier nicht: Wer die Zeichen kennt, braucht diese Seite nicht, und wer sie nicht kennt, dem sagen sie nichts.

Die vier Nasalvokale

Vier Laute, die das Deutsche alle als einen hört.

Was dabei passiert: Das Französische hat vier Vokale, die durch die Nase gehen, und sie unterscheiden Wörter: an, on, in und un. Ein deutscher Sprecher hat keinen einzigen davon und ersetzt alle vier durch einen Vokal plus ein gesprochenes n — er sagt „bonn" statt bon. Das ist zweierlei falsch: Der Vokal stimmt nicht, und das n wird gesprochen, obwohl es nur den Vokal färbt und selbst stumm bleibt. Die Probe ist einfach: Wenn die Zungenspitze am Gaumen ankommt, war es kein Nasalvokal. Steht nach dem n ein Vokal oder ein zweites n, ist die Nasalierung aufgehoben: bon, aber bonne.

Das eineheißtDas andereheißt
bancdie Bank (Sitz)bongut

Le banc est mouillé.Die Bank ist nass.

Beide enden auf einem stummen Konsonanten; nur der Nasalvokal unterscheidet sie.
brunbraunbaindas Bad

Le bain est trop chaud.Das Bad ist zu heiß.

Der vierte Nasal — un — verschwindet im heutigen Französischen und fällt mit in zusammen. Wer beide gleich spricht, ist in guter Gesellschaft.
paindas Brotpandas Stück, der Schoß

Je prends du pain frais.Ich nehme frisches Brot.

tempsdie Zeit, das Wetterthonder Thunfisch

Je n’ai pas le temps.Ich habe keine Zeit.

sansohnesonsein, der Klang

Il est parti sans manteau.Er ist ohne Mantel gegangen.

ventder Windvinder Wein

Le vent souffle fort.Der Wind bläst stark.

Zwei Wörter, die auf einer Terrasse beide vorkommen — und ein Kellner hört genau den Unterschied.
lentlangsamlinder Leinen

Le train est lent aujourd’hui.Der Zug ist heute langsam.

pleinvoll (männlich)pleinevoll (weiblich)

La salle est pleine.Der Saal ist voll.

Hier hört die Nasalierung auf: Vor dem e wird das n gesprochen und der Vokal wird gewöhnlich.
andas Jahrannéedas Jahr (als Verlauf)

L’année a été longue.Das Jahr war lang.

Dasselbe Wort, zwei Formen — und die zweite ist nicht mehr nasal.

u gegen ou

Der Unterschied, an dem man einen Deutschen erkennt.

Was dabei passiert: Das französische u ist das deutsche ü, das ou ist das deutsche u. Beides gibt es im Deutschen, und trotzdem geht es schief — weil die Schrift in die Irre führt: Wer u liest, sagt u. Die Wortpaare, die daran hängen, sind alltäglich: tu gegen tout, rue gegen roue, dessus gegen dessous. Beim letzten ist der Unterschied oben gegen unten, und ein Satz kann sein Gegenteil bedeuten. Für das u werden die Lippen gerundet wie für u und die Zunge steht wie für i; genau das ist ein ü.

Das eineheißtDas andereheißt
tudutoutalles

Tout est prêt.Alles ist fertig.

Die beiden häufigsten Wörter der Sprache, und sie unterscheiden sich nur in diesem Vokal.
ruedie Straßerouedas Rad

La rue est calme le matin.Die Straße ist morgens ruhig.

dessusdarüberdessousdarunter

Le livre est dessous.Das Buch liegt darunter.

Ein Satz kann hier sein Gegenteil bedeuten — und das merkt niemand, bis etwas nicht gefunden wird.
pugekonntpourfür

C’est pour toi.Das ist für dich.

sugewusstsousunter

Le chat dort sous la table.Die Katze schläft unter dem Tisch.

vugesehenvousSie, ihr

Vous êtes en avance.Sie sind zu früh.

lugelesenloupder Wolf

J’ai lu le livre.Ich habe das Buch gelesen.

é, è und das stumme e

Drei Zeichen, drei Laute, und eines wird gar nicht gesprochen.

Was dabei passiert: Das é ist geschlossen und kurz wie in „Beet", das è offen wie in „Bett". Sie unterscheiden Zeiten: j’ai chanté ist gesungen, je chantais war am Singen — der einzige hörbare Unterschied ist der Vokal. Das dritte e ohne Akzent ist das schwierigste: Es wird in der Umgangssprache oft ganz weggelassen, und dann wird aus je ne sais pas ein einziges Wort. Wer es immer spricht, klingt vorlesend; wer es nie spricht, verschluckt Silben, die im Lied und im Vers gezählt werden.

Das eineheißtDas andereheißt
chantégesungenchantaissang (Verlaufsform)

J’ai chanté toute la soirée.Ich habe den ganzen Abend gesungen.

Der einzige hörbare Unterschied zwischen zwei Zeiten. Im Norden Frankreichs verschwindet er zunehmend.
étégewesen, der Sommerétaitwar

Il était en retard.Er war zu spät.

deseinigedèsab, sobald

Dès demain, tout change.Ab morgen ändert sich alles.

cesdiesesaisweiß

Je ne sais pas encore.Ich weiß es noch nicht.

Gleich gesprochen und verschieden geschrieben — hier entscheidet nur der Satz.
leder (Einzahl)lesdie (Mehrzahl)

Les enfants dorment.Die Kinder schlafen.

Der einzige Unterschied zwischen Einzahl und Mehrzahl, den man hört — das s am Nomen ist stumm.
cediesessesseine

Il a oublié ses clés.Er hat seine Schlüssel vergessen.

mèredie Muttermerdas Meer

La mer est calme ce matin.Das Meer ist heute Morgen ruhig.

Gleich gesprochen. Ein drittes Wort klingt genauso: le maire, der Bürgermeister.

Was am Wortende wegfällt

Und was nicht — daran hängt das Geschlecht.

Was dabei passiert: Am Ende eines französischen Wortes wird fast kein Konsonant gesprochen: petit, grand, tard, temps, vous. Die Ausnahmen sind c, r, f und l, und die Merkregel dafür ist das Wort careful. Das ist keine Kosmetik: Ein Adjektiv wird weiblich, indem ein e angehängt wird — und dieses e macht den vorhergehenden Konsonanten hörbar. petit ist „pöti", petite ist „pötit". Wer die männliche Form mit t spricht, sagt jedes Mal die weibliche. Umgekehrt gilt: Wer nie ein Endkonsonant spricht, verliert den Unterschied ganz.

Das eineheißtDas andereheißt
petitklein (männlich)petiteklein (weiblich)

C’est une petite ville.Das ist eine kleine Stadt.

Das e macht das t hörbar. Wer beide gleich spricht, sagt immer die weibliche Form.
grandgroß (männlich)grandegroß (weiblich)

C’est une grande maison.Das ist ein großes Haus.

françaisfranzösisch (männlich)françaisefranzösisch (weiblich)

C’est une chanson française.Das ist ein französisches Lied.

vertgrün (männlich)vertegrün (weiblich)

La porte est verte.Die Tür ist grün.

assisgesetzt (männlich)assisegesetzt (weiblich)

Elle est assise au fond.Sie sitzt ganz hinten.

plusmehrplugeregnet, gefallen

Il a plu toute la nuit.Es hat die ganze Nacht geregnet.

plus hat zwei Aussprachen: mit s heißt es mehr, ohne s in der Verneinung nicht mehr.
sixsechssiwenn, so

Si tu veux, on part maintenant.Wenn du willst, fahren wir jetzt.

six klingt vor einem Konsonanten wie „si": six personnes.
neufneu (männlich)neuveneu (weiblich)

La voiture est neuve.Das Auto ist neu.

Das f gehört zu den vier Endkonsonanten, die gesprochen werden — und wird trotzdem weiblich zu v.

Das r und das stumme h

Ein Laut, den man hinten macht, und einer, den man gar nicht macht.

Was dabei passiert: Das französische r entsteht weit hinten im Rachen und ist weicher als das deutsche gerollte und härter als das französische. Am Wortanfang ist es kräftig, am Wortende oft nur ein Hauch. Das h dagegen wird nie gesprochen, nirgends — und trotzdem gibt es zwei Sorten davon. Vor dem stummen h verschmilzt der Artikel: l’heure, l’homme. Vor dem aspirierten h nicht: le héros, la haine. Gehört wird der Unterschied nur daran, ob der Artikel verschmilzt — und welches h ein Wort hat, steht im Wörterbuch und in keiner Regel.

Das eineheißtDas andereheißt
heuredie Stundeœuvredas Werk

Il est arrivé à l’heure.Er ist pünktlich gekommen.

Das h ist stumm, deshalb l’heure — der Artikel verschmilzt, als stünde dort ein Vokal.
hérosder Heldzérodie Null

Le héros du livre est un enfant.Der Held des Buches ist ein Kind.

Aspiriertes h: der Artikel verschmilzt nicht. Le héros, nicht l’héros — obwohl das h genauso stumm ist.
rondrundlonglang

Le trajet est long.Der Weg ist lang.

rirelachenlirelesen

J’aime lire le soir.Ich lese gern abends.

Für ein deutsches Ohr weit auseinander, für ein anderes nicht — und beide Wörter kommen im selben Satz vor.
pardonVerzeihungpartonwir gehen (mundartlich)

Pardon, je ne vous ai pas vu.Verzeihung, ich habe Sie nicht gesehen.

Das r hier ist der Laut, an dem man einen deutschen Sprecher am schnellsten erkennt.

Hören und unterscheiden

Es wird eines der beiden Wörter gesprochen, und Sie sagen, welches. Zwei Möglichkeiten heißt: Raten trifft die Hälfte. Deshalb kommt jedes Paar zweimal dran — einmal je Wort. Wer den Laut nicht hat, landet über beide hinweg bei fünfzig Prozent, und das ist zu sehen; ein einzelner Treffer wäre es nicht.