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Was zwischen den Sprachen bleibt
Una traductora de contratos descubre que una sola palabra puede valer más que una página entera.
Una historia reflexiva sobre el lenguaje preciso. Fíjate en los atributos de participio ampliados (der von beiden Seiten unterschriebene Vertrag), en el estilo nominal y en las sutiles partículas modales que tiñen la mirada de la narradora.
Seit fünfzehn Jahren übersetzte Judith Verträge, und in dieser Zeit hatte sie gelernt, dass die gefährlichsten Wörter nicht die schwierigen sind, sondern die einfachen. Ein seltenes Wort, das man nicht kennt, zwingt zur Recherche; ein Wort, das man zu kennen glaubt, macht einen leicht bequem.
Der Auftrag, um den es in dieser Geschichte geht, schien zunächst ganz normal. Zwei Firmen wollten gemeinsam ein Werk bauen, und der bereits von beiden Seiten in der einen Sprache geschriebene Vertrag sollte in die andere übertragen werden. Vierzig Seiten, eine Frist von zehn Tagen, nichts, was sie nicht schon oft gemacht hätte.
Auf Seite 27 stieß sie auf einen Satz, in dem sich eine der Firmen verpflichtete, „zumutbare“ Maßnahmen zu treffen, falls es zu Verzögerungen komme. Das Wort ließ sich ohne Mühe übersetzen. Gerade das machte sie misstrauisch. In der Ausgangssprache, so wusste sie aus einem früheren Fall, hatte dieses Wort vor Gericht eine fast technische Bedeutung erhalten, die über die Bedeutung im Alltag weit hinausging. In der Zielsprache dagegen war es schwammig und ließ beiden Seiten große Freiheit.
Sie hätte einfach schweigen können. Niemand hätte den Unterschied bemerkt, jedenfalls nicht sofort. Doch sie schrieb eine kurze Notiz an den Rand und schickte sie mit der Übersetzung zurück. Zwei Tage später rief sie ein Anwalt der einen Firma an, leicht genervt, wie ihr schien, und fragte, ob sie sich nicht etwas zu wichtig nehme.
Drei Jahre danach, als die Zusammenarbeit der beiden Firmen längst zu einem bitteren Streit geworden war, erhielt sie einen zweiten Anruf, dieses Mal von einer Richterin. Man wolle wissen, ob sie sich an die Notiz erinnere. Sie erinnerte sich. Am Ende hing an diesem einen Wort eine Summe, die größer war als alles, was Judith in ihrem Leben verdienen würde.
Sie erzählt die Geschichte heute gern jungen Kolleginnen, aber nicht als Beweis ihrer eigenen Klugheit. Ihr geht es um etwas anderes: dass Übersetzen nicht heißt, Wörter zu ersetzen, sondern Verantwortung für das zu übernehmen, was zwischen den Sprachen verloren gehen könnte.
Judith übersetzte seit fünfzehn Jahren Verträge. Sie hatte gelernt, dass die gefährlichsten Wörter die einfachen sind. Ein seltenes Wort zwingt einen dazu, nachzuschlagen. Ein Wort, das man zu kennen glaubt, macht einen bequem.
Der Auftrag in dieser Geschichte war zuerst ganz normal. Zwei Firmen wollten zusammen ein Werk bauen. Ihr Vertrag war in einer Sprache geschrieben und sollte in die andere übersetzt werden. Vierzig Seiten in zehn Tagen — das hatte sie schon oft gemacht.
Auf Seite 27 fand sie einen Satz, in dem eine Firma versprach, bei Verspätungen „zumutbare“ Maßnahmen zu treffen. Das Wort war leicht zu übersetzen, und genau deshalb war sie misstrauisch. In der einen Sprache hatte dieses Wort vor Gericht eine fast technische Bedeutung. In der anderen Sprache war es unklar und ließ beiden Seiten viel Freiheit.
Sie hätte nichts sagen können. Niemand hätte es sofort bemerkt. Aber sie schrieb eine kurze Notiz an den Rand. Zwei Tage später rief ein Anwalt an. Er war etwas ärgerlich und fragte, ob sie sich nicht zu wichtig nehme.
Drei Jahre später stritten die beiden Firmen laut vor Gericht. Da rief eine Richterin an und fragte, ob Judith sich an die Notiz erinnere. Sie erinnerte sich. Am Ende ging es bei diesem einen Wort um sehr viel Geld — mehr, als Judith in ihrem ganzen Leben verdienen würde.
Heute erzählt sie die Geschichte gern jungen Kolleginnen. Sie will damit nicht zeigen, wie klug sie ist. Sie will sagen: Übersetzen heißt nicht, Wörter zu ersetzen, sondern Verantwortung für das zu übernehmen, was zwischen den Sprachen verloren gehen könnte.
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Gramática en este texto
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der bereits von beiden Seiten in der einen Sprache geschriebene Vertrag
Un atributo de participio ampliado mete toda una oración delante del sustantivo: der bereits von beiden Seiten in der einen Sprache geschriebene Vertrag. El atributo de participio ampliado, a fondo →
Maßnahmen zu treffen · Verantwortung für das zu übernehmen
Las construcciones con verbo de apoyo son típicas del lenguaje jurídico: Maßnahmen zu treffen (tomar medidas), Verantwortung … zu übernehmen. Verbos de apoyo: zur Verfügung stellen →
Sie hätte einfach schweigen können · Niemand hätte den Unterschied bemerkt
Pasado irreal: Sie hätte einfach schweigen können. Niemand hätte den Unterschied bemerkt. El irreal del pasado →
Las palabras de C2 en adelante en este texto
No las palabras difíciles en general, sino las de tu nivel: las 1 de las 203 palabras de este texto están en C2 o por encima. Todo lo demás ya lo conoces cuando llegas hasta aquí.
zumutbar
razonablemente exigible
C2
Las listas de palabras de este texto
Las palabras de este texto están en 38 listas de este sitio; el número de detrás indica cuántas vienen de cada lista. Quien ha leído el texto acaba de necesitar justo estas palabras, y puede repasar exactamente esas.
Preguntas de comprensión
5 preguntas sobre el texto. Con cada respuesta aparece la frase en la que está: una pregunta cuya respuesta no se encuentra en el texto no evalúa nada.
1. Welche Wörter hält Judith für die gefährlichsten?
Lies den ersten Absatz.
Achte auf „nicht … sondern“.
dass die gefährlichsten Wörter nicht die schwierigen sind, sondern die einfachen
2. Warum machte gerade die leichte Übersetzbarkeit Judith misstrauisch?
Lies den dritten Absatz.
Achte auf „vor Gericht“.
hatte dieses Wort vor Gericht eine fast technische Bedeutung erhalten
3. Was tat Judith, statt zu schweigen?
Lies den vierten Absatz.
Achte auf das Wort „Doch“.
schrieb eine kurze Notiz an den Rand
4. Wie reagierte der Anwalt zunächst?
Lies das Ende des vierten Absatzes.
Achte auf das Wort „genervt“.
ob sie sich nicht etwas zu wichtig nehme
5. Was ist für Judith der eigentliche Sinn der Geschichte?
Lies den letzten Absatz.
Achte auf das Wort „Verantwortung“.
sondern Verantwortung für das zu übernehmen, was zwischen den Sprachen verloren gehen könnte