Zum Inhalt springen
EveryLingua
DE

Zum Lesen, wenn du magst — kein Lernstoff

Italienisch: ein kurzes Porträt

Woher das Italienische kommt, warum Florenz dabei so wichtig war und weshalb in Italien so viele Dialekte leben.

Sprachfamilie
Indogermanisch, romanisch
Nächste Verwandte
Korsisch; weiter entfernt Spanisch, Französisch, Portugiesisch
Schrift
Lateinisches Alphabet, 21 Buchstaben (j, k, w, x, y nur in Fremdwörtern)
Amtssprache in
Italien, San Marino, Vatikanstadt, Schweiz (Tessin und Teile Graubündens)
Eigenname
italiano
Grundlage der Hochsprache
das Florentinische, die Sprache der Toskana
Sprachpflege
Accademia della Crusca (gegründet 1583)

Woher es kommt

Italienisch ist eine romanische Sprache und hat sich direkt aus dem gesprochenen Latein der italienischen Halbinsel entwickelt. Von den großen romanischen Sprachen gilt es im Wortschatz als diejenige, die dem Lateinischen am nächsten geblieben ist.

Nach dem Ende des Weströmischen Reichs herrschten in Italien unter anderem die germanischen Langobarden. Von ihnen stammen ein paar Alltagswörter wie schiena (Rücken) und panca (Bank zum Sitzen).

Die Geschichte in Stufen

Als eines der ersten Zeugnisse der Volkssprache gelten Gerichtsurkunden aus dem Jahr 960 über Ländereien des Klosters Montecassino. Lange schrieb man aber vor allem Latein, und jede Region sprach ihre eigene Mundart.

Den Ausschlag gab die Literatur: Im 14. Jahrhundert schrieben Dante (die Göttliche Komödie), Petrarca und Boccaccio in der Sprache von Florenz. Ihre Werke wurden zum Vorbild, und im 16. Jahrhundert setzte sich das Florentinische dieser Autoren als Schriftsprache in ganz Italien durch. 1583 wurde in Florenz die Accademia della Crusca gegründet.

Als Italien 1861 ein Staat wurde, sprach nur ein kleiner Teil der Bevölkerung im Alltag Italienisch. Schule, Militärdienst, Zeitungen und später vor allem Radio und Fernsehen machten es zur gemeinsamen Sprache aller.

Wo man es heute spricht

Italienisch ist Amtssprache in Italien, San Marino und der Vatikanstadt sowie in der Schweiz, vor allem im Tessin. Durch Auswanderung lebt es auch in Familien in Argentinien, den USA, Deutschland, Belgien und vielen anderen Ländern.

Neben dem Standarditalienischen gibt es eine große Vielfalt an dialetti. Viele davon – etwa Neapolitanisch, Sizilianisch oder Venezianisch – sind eigenständige romanische Sprachen mit eigener Geschichte und nicht bloß ein Akzent.

Auch das Standarditalienische klingt je nach Region etwas anders, etwa bei der Aussprache des s oder in der Satzmelodie. Ein hübsches Erbe der Dialekte ist ciao: Es kommt aus dem Venezianischen und bedeutete ursprünglich so viel wie „(Ihr) Diener“.

Die Schrift

Italienisch wird mit dem lateinischen Alphabet geschrieben. Das Grundalphabet hat nur 21 Buchstaben; j, k, w, x und y kommen fast nur in Fremdwörtern vor.

Schrift und Aussprache passen sehr gut zusammen. Wer ein paar Regeln kennt – c und g vor e und i werden weich (cena, gelato), ch und gh bleiben hart (che, spaghetti) –, kann fast alles richtig vorlesen. Doppelte Konsonanten werden auch doppelt gesprochen.

Akzentzeichen stehen meist nur auf dem letzten Vokal, wenn er betont ist: città, perché, però.

Geliehene und verliehene Wörter

Ganze Fachgebiete sprechen italienisch. In der Musik: piano, allegro, forte, aber auch Sopran und Oper stammen von dort. Im Geldwesen: Konto, Saldo, brutto, netto, Bank und Kasse kamen aus den Handelsstädten Norditaliens ins Deutsche. Und in der Küche sowieso: Pizza, Pasta, Espresso.

Umgekehrt hat das Italienische Wörter aus dem Deutschen übernommen, etwa il würstel (das Würstchen), il kitsch und lo speck, und in den letzten Jahrzehnten viele aus dem Italienischen wie il weekend.

Was dich überraschen wird

Doppelte Konsonanten verändern die Bedeutung: palaSchaufelpallaBallcaroteuer oder liebcarroKarren

Gesiezt wird mit Lei – also mit „sie“ in der Einzahl. Das Subjekt lässt man meistens weg, weil die Verbendung zeigt, wer gemeint ist.

Fast alle Wörter enden auf einen Vokal, und die Mehrzahl wird durch einen Wechsel des Endvokals gebildet: il libro, i libri; la casa, le case.