Zum Lesen, wenn du magst — kein Lernstoff
Türkisch: ein kurzes Porträt
Woher das Türkische kommt, warum es seit 1928 mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird und wie aus kleinen Endungen lange Wörter werden.
- Sprachfamilie
- Turksprachen, oghusischer Zweig
- Nächste Verwandte
- Aserbaidschanisch, Turkmenisch, Gagausisch
- Schrift
- Lateinisches Alphabet seit 1928, 29 Buchstaben
- Amtssprache in
- der Türkei und, neben Griechisch, in Zypern
- Eigenname
- Türkçe
- Sprachpflege
- Türk Dil Kurumu, die Gesellschaft für türkische Sprache (gegründet 1932)
- Auf dieser Seite
- Standardtürkisch, wie es in Istanbul gesprochen und im ganzen Land geschrieben wird
Woher es kommt
Türkisch gehört zu den Turksprachen, einer Familie, die von Südosteuropa bis nach Sibirien und China reicht. Mit dem Deutschen ist es nicht verwandt — darum klingt anfangs fast kein Wort vertraut, und darum funktioniert auch der Satzbau nach ganz anderen Regeln.
Seine engsten Verwandten sind Aserbaidschanisch und Turkmenisch. Wer Türkisch spricht, versteht Aserbaidschanisch oft schon nach kurzer Gewöhnung. Usbekisch, Kasachisch, Kirgisisch oder Tatarisch sind ebenfalls Turksprachen, aber deutlich weiter entfernt.
Die Vorfahren der heutigen Sprecher kamen aus Zentralasien. Ab dem 11. Jahrhundert ließen sich oghusische Turkstämme in Anatolien nieder, und aus ihrer Sprache wurde über die Jahrhunderte das Türkische.
Die Geschichte in Stufen
Die ältesten längeren Texte in einer Turksprache sind die Orchon-Inschriften aus dem 8. Jahrhundert, in Stein gehauen in der heutigen Mongolei. Ihre Sprache, das Alttürkische, ist eine frühe Turksprache. Das heutige Türkisch stammt nicht direkt von ihr ab, ist aber mit ihr verwandt.
Im Osmanischen Reich schrieb man Türkisch mit arabischen Buchstaben, und die Sprache der Gebildeten nahm sehr viele Wörter aus dem Arabischen und Persischen auf. Das Osmanische der Verwaltung und der Dichtung war deshalb für viele einfache Leute schwer verständlich.
1928 stellte die Türkei per Gesetz auf ein lateinisches Alphabet um, das genau zur Aussprache passt. 1932 wurde die Türk Dil Kurumu gegründet, die in den folgenden Jahrzehnten viele Lehnwörter durch türkische Bildungen ersetzte. Aus dieser Zeit stammen die Wortpaare, die du bis heute hörst: cevap und yanıt für die Antwort, kelime und sözcük für das Wort.
Die Zeitleiste
- um 732
In der heutigen Mongolei entstehen die Orchon-Inschriften, die ältesten längeren Texte in einer Turksprache, in einer eigenen Runenschrift.
- um 1074
Mahmud al-Kaschgari vollendet sein „Dīwān Lughāt at-Turk“, ein Wörterbuch der Turksprachen mit Erklärungen auf Arabisch.
- um 1300
Der Dichter Yunus Emre schreibt Gedichte in einem schlichten Anatolisch-Türkisch, die bis heute gelesen und gesungen werden.
- 1928
Die Türkei stellt per Gesetz vom arabischen auf ein lateinisches Alphabet um.
- 1932
Die Gesellschaft für türkische Sprache (Türk Dil Kurumu) wird gegründet; sie ersetzt in den folgenden Jahren viele Lehnwörter durch türkische Bildungen.
Wo man es heute spricht
Türkisch ist Amtssprache in der Türkei und, neben Griechisch, in der Republik Zypern; gesprochen wird es dort vor allem im Norden der Insel. Alte türkischsprachige Gemeinschaften gibt es auf dem Balkan, besonders in Bulgarien und in Nordmazedonien.
Seit den 1960er-Jahren ist Türkisch auch in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und anderen Ländern Europas eine Familiensprache vieler Menschen. Darum hörst du es vielleicht schon im eigenen Viertel — und darum ist es eine Sprache, mit der du auch ohne Reise ins Gespräch kommst.
Innerhalb der Türkei klingt die Sprache von Region zu Region verschieden, besonders in der Aussprache und bei einzelnen Wörtern. Schrift, Grammatik und Wortschatz des Standardtürkischen sind aber überall dieselben, und so lernst du es hier.
Auf der Karte
- Amts- oder Mehrheitssprache
- Bedeutende Minderheit
Amts- oder Mehrheitssprache
- Türkei
- Zypern
Bedeutende Minderheit
- Bulgarien
- Nordmazedonien
Die Schrift
Das türkische Alphabet hat 29 Buchstaben. Es gibt kein q, kein w und kein x, dafür ç (wie tsch), ş (wie sch), ö, ü, das weiche ğ und das ı ohne Punkt. Jeder Buchstabe steht für einen Laut, und so wird fast jedes Wort genau so gelesen, wie es dasteht.
Einige Buchstaben klingen anders, als du es gewohnt bist: Das c klingt wie dsch (cami, Moschee), das z wie ein weiches s, und das v wie ein deutsches w. Das ğ spricht man meist gar nicht, es dehnt nur den Vokal davor: dağ, Berg.
Zwei Buchstaben verlangen Sorgfalt. i und ı sind verschiedene Laute, und auch ihre Großbuchstaben sind verschieden: İ und I. Darum schreibt man İstanbul mit Punkt — und ein vergessener Punkt macht aus einem Wort manchmal ein anderes.
Wie aus Endungen Wörter werden
Türkisch hängt an. Wo das Deutsche Artikel, Präpositionen und Hilfsverben vor das Wort stellt, setzt das Türkische Endungen dahinter, eine nach der anderen und in fester Reihenfolge: evist das Hausevlerdie Häuserevlerimizunsere Häuserevlerimizdein unseren Häusern
Damit das gut klingt, passen sich die Endungen dem Wort an. Das ist die Vokalharmonie: Nach einem hellen Vokal kommt ein heller, nach einem dunklen ein dunkler — evde, im Haus, aber okulda, in der Schule. Am Anfang ist das die größte Umstellung; nach ein paar Wochen hörst du, wenn eine Endung nicht passt.
Dafür ist vieles einfacher als gedacht. Es gibt kein grammatisches Geschlecht und keinen bestimmten Artikel, und die Verben sind fast ohne Ausnahme regelmäßig. Wer eine Zeitform bei einem Verb kann, kann sie bei fast allen.
Geliehene und verliehene Wörter
Aus dem Arabischen und Persischen stammen viele Wörter des Alltags, etwa kitap (Buch), dünya (Welt) oder hafta (Woche). Aus dem Französischen kamen später Wörter wie kuaför (Friseur) und asansör (Aufzug), und auch das Deutsche hat Spuren hinterlassen, etwa im Wort otoban für die Autobahn.
In die andere Richtung sind türkische Wörter in viele Sprachen gewandert, auch ins Deutsche: Joghurt kommt von yoğurt, Kiosk vom Gartenpavillon köşk, und auch der Kaffee kam über das türkische kahve nach Europa. Neuer ist der Döner, der im Deutschen ein Alltagswort geworden ist.
Was dich überraschen wird
Das Verb steht am Ende: Ben her sabah çay içerim heißt wörtlich „Ich jeden Morgen Tee trinke“. Wer Deutsch spricht, kennt das aus dem Nebensatz und hat es damit leichter, als er denkt.
Es gibt kein Verb für „haben“. Man sagt, dass etwas vorhanden ist: Bir kardeşim var, wörtlich „mein Geschwister ist vorhanden“ — ich habe einen Bruder oder eine Schwester. Und es gibt kein Wort für „er“ und „sie“ getrennt: o steht für beide.
Und eine Feinheit, die das Deutsche nur umständlich ausdrückt: Mit -di erzählst du, was du selbst erlebt hast, mit -miş, was du nur gehört oder erschlossen hast. Gelmiş heißt ungefähr „er ist wohl gekommen“ oder „er soll gekommen sein“.
Wusstest du?
Kurze Fakten zum Staunen. Einzeln tauchen sie auch am Ende einer Übungsrunde auf — zugeklappt, damit sie nicht stören.
- Türkische Endungen passen ihre Vokale dem Wort an: evler (Häuser), aber kitaplar (Bücher). Das nennt man Vokalharmonie.
- Türkisch hängt Endung an Endung: evlerimizden heißt „aus unseren Häusern“ — ein Wort, wo andere Sprachen drei brauchen.
- Türkisch hat zwei i: mit Punkt (i, İ) und ohne (ı, I). kır (Feld) und kir (Schmutz) sind zwei verschiedene Wörter.
- Für „er“, „sie“ und „es“ gibt es nur ein Wort: o. Grammatisches Geschlecht kennt Türkisch nicht.
- Das Verb steht am Satzende: Ben çay içiyorum — wörtlich „ich Tee trinke“.
- Das türkische Alphabet hat 29 Buchstaben. q, w und x gehören nicht dazu.
- Das ğ („weiches g“) wird kaum gesprochen; es dehnt meist den Vokal davor: dağ (Berg).
- Mit der Endung -miş zeigt man, dass man etwas nur gehört oder erschlossen hat: gelmiş, „er soll gekommen sein“.
- Viele Sprachen haben das Wort yoğurt aus dem Türkischen übernommen, ebenso kiosk von köşk.
- Das Wort Kaffee kam über das Türkische kahve nach Europa.
- Türkisch ist eng verwandt mit Aserbaidschanisch und Turkmenisch; auch Usbekisch, Kasachisch und Kirgisisch sind Turksprachen.
- Am 26. September feiert die Türkei das Sprachfest (Dil Bayramı), zur Erinnerung an den ersten Sprachkongress von 1932.
- Eine Ja-Nein-Frage bekommt das kleine Wort mi: Geliyor musun? — „Kommst du?“ Auch mi folgt der Vokalharmonie.
- Ein eigenes Verb für „haben“ gibt es nicht. Man sagt Bir kedim var, wörtlich „meine Katze gibt es“.
- Seit 1928 schreibt man Türkisch fast so, wie man es spricht: Jeder Buchstabe steht für einen Laut.
- Wie viele Sprachen hat Türkisch eine vertraute und eine höfliche Anrede: sen und siz.
- Türkisch hat keinen bestimmten Artikel. bir (eins) dient oft als unbestimmter Artikel: bir ev, „ein Haus“.
- In der Republik Zypern sind Griechisch und Türkisch beide Amtssprachen.
- Vor dem Essen wünscht man Afiyet olsun!, nach getaner Arbeit sagt man Kolay gelsin! — „Möge es leicht gehen“.
- Durch Anhängen entstehen sehr lange Wörter. Çekoslovakyalılaştıramadıklarımızdan ist ein beliebtes Scherzbeispiel dafür.