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Portugiesisch: ein kurzes Porträt

Woher das Portugiesische kommt, wie es um die Welt reiste und warum es in Lissabon anders klingt als in Rio.

Sprachfamilie
Indogermanisch, romanisch
Nächste Verwandte
Galicisch, dann Spanisch
Schrift
Lateinisches Alphabet, 26 Buchstaben, dazu Akzente, Tilde und Cedille
Amtssprache in
Portugal, Brasilien, Angola, Mosambik, Kap Verde, Guinea-Bissau, São Tomé und Príncipe, Osttimor, Äquatorialguinea; außerdem in Macau
Eigenname
português
Größte Sprechergruppe
Brasilien
Auf dieser Seite
Portugiesisch aus Portugal

Woher es kommt

Portugiesisch ist eine romanische Sprache und stammt aus dem gesprochenen Latein im Nordwesten der Iberischen Halbinsel. Im Mittelalter sprach man dort Galicisch-Portugiesisch – die gemeinsame Vorstufe des heutigen Portugiesischen und des Galicischen in Spanien. Die beiden sind bis heute eng verwandt.

Wie im Spanischen hinterließen auch hier die Jahrhunderte arabischer Herrschaft viele Wörter, und die germanischen Sueben und Westgoten ein paar wenige.

Die Geschichte in Stufen

Im 12. Jahrhundert wurde Portugal ein eigenes Königreich und dehnte sich nach Süden aus. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts machte König Dinis das Portugiesische zur Sprache der Urkunden statt des Lateins. Die Lieddichtung in Galicisch-Portugiesisch, die cantigas, war so angesehen, dass sogar der kastilische König Alfons X. Lieder in dieser Sprache schrieb.

Im 15. und 16. Jahrhundert segelten portugiesische Seefahrer an der Küste Afrikas entlang nach Indien, nach China und Japan; 1500 erreichte Pedro Álvares Cabral Brasilien. So kam die Sprache auf vier Kontinente. 1572 erschien das Nationalepos Os Lusíadas von Luís de Camões, das diese Seefahrten besingt.

Heute regelt ein gemeinsames Rechtschreibabkommen von 1990 die Schreibung in den portugiesischsprachigen Ländern. Es wurde in den Jahren nach 2009 eingeführt und hat die Schreibweisen von Portugal und Brasilien einander angenähert.

Wo man es heute spricht

Portugiesisch ist Amtssprache in Portugal, Brasilien, Angola, Mosambik, Kap Verde, Guinea-Bissau, São Tomé und Príncipe, Osttimor und Äquatorialguinea, außerdem in Macau. Die mit Abstand meisten Sprecherinnen und Sprecher leben in Brasilien.

Europäisches und brasilianisches Portugiesisch verstehen sich, klingen aber deutlich verschieden. In Portugal werden unbetonte Vokale stark verkürzt oder fast verschluckt, und ein s am Silbenende klingt wie sch – Lisboa hört sich an wie „Lischboa“. Brasilianisch klingt offener und melodischer.

Auch Grammatik und Wörter unterscheiden sich: In Portugal sagt man estou a ler, in Brasilien estou lendo (ich lese gerade). Der Bus ist in Portugal der autocarro, in Brasilien der ônibus, der Zug comboio bzw. trem. Auf dieser Seite lernst du die Formen aus Portugal.

Die Schrift

Portugiesisch wird mit dem lateinischen Alphabet geschrieben. Seit dem Abkommen von 1990 gehören auch k, w und y offiziell wieder dazu, sie kommen aber fast nur in Fremdwörtern und Namen vor.

Auffällig ist die Tilde auf ã und õ: Sie zeigt einen Nasenlaut an, wie in pão (Brot) und mãe (Mutter). Ursprünglich war sie ein Abkürzungszeichen der Schreiber für ein folgendes n. Dazu kommen Akzente, die Betonung und Vokalfarbe zeigen, und die Cedille in ç.

Geliehene und verliehene Wörter

Aus dem Arabischen stammen zum Beispiel azeiteOlivenölalfaceSalatoxaláhoffentlich In Brasilien kamen viele Wörter aus dem Tupi hinzu, besonders für Tiere und Pflanzen.

Über das Portugiesische kamen Wörter ins Deutsche: Marmelade kommt von marmelada, einer festen Quittenpaste, Kobra von cobra (Schlange), und auch Ananas reiste aus dem Tupi über das Portugiesische zu uns. Ins Japanische gelangte pão als pan, das Wort für Brot.

Was dich überraschen wird

Die Nasenlaute sind neu für deutsche Ohren: In não (nein) und bom (gut) schwingt die Luft durch die Nase, ohne dass ein richtiges n zu hören ist.

Wie im Spanischen gibt es zwei Verben für „sein“: ser und estar. Eine Besonderheit, die sonst kaum eine romanische Sprache hat, ist der gebeugte Infinitiv: para fazermos heißt „damit wir machen“.

Und beim Anreden ist Portugal vorsichtig: Statt eines Pronomens sagt man oft o senhor, a senhora oder einfach den Namen – A Ana quer café? heißt „Möchtest du einen Kaffee, Ana?“.