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Zum Lesen, wenn du magst — kein Lernstoff

Das Japanische: ein kurzes Porträt

Woher das Japanische kommt, wie seine drei Schriften entstanden sind, wo man es spricht und was Deutschsprachige überrascht.

Sprachfamilie
japonisch — die einzigen nahen Verwandten sind die Ryūkyū-Sprachen von Okinawa
Schrift
Kanji plus zwei Silbenschriften, Hiragana und Katakana
Gesprochen in
Japan; auch in Gemeinschaften im Ausland, etwa in Brasilien und auf Hawaii
Sprecher
über 120 Millionen, fast alle in Japan
Wortstellung
Subjekt – Objekt – Verb: Das Verb steht am Ende
Standardform
beruht auf der Sprache Tokyos
Name auf Japanisch
日本語(にほんご), nihongo

Woher es kommt

Das Japanische gehört zu einer kleinen, eigenen Familie, die meist japonisch genannt wird. Die einzigen nahen Verwandten sind die Ryūkyū-Sprachen, die auf Okinawa und den Nachbarinseln gesprochen werden, vom Japanischen weit genug entfernt, dass sich die Sprecher nicht ohne Mühe verstehen. Immer wieder hat man Verbindungen zum Koreanischen oder zu den Sprachen Zentralasiens vermutet, und keine ist bewiesen worden.

Eine verbreitete Ansicht ist, dass die Sprache vor mehr als zweitausend Jahren vom asiatischen Festland auf die Inseln kam, zusammen mit dem Reisanbau. Sicher ist, dass sie später aus dem Chinesischen eine enorme Zahl von Wörtern übernahm — aber nicht die Grammatik. Japanisch und Chinesisch werden mit vielen gleichen Zeichen geschrieben und sind ganz verschieden gebaut: Das Chinesische ändert nie die Form eines Wortes, das Japanische hängt an fast alles Endungen.

Die Geschichte in Kürze

Die ältesten erhaltenen japanischen Texte stammen aus dem 8. Jahrhundert, darunter das Kojiki, eine Sammlung alter Mythen und Chroniken, im Jahr 712 vollendet. Sie sind vollständig in chinesischen Zeichen geschrieben, manche der Bedeutung wegen, andere nur wegen des Klangs.

In der Heian-Zeit, vom Ende des 8. bis zum 12. Jahrhundert, entwickelte der Hof von Kyoto die Kana-Schriften, und einige der größten Werke der Zeit wurden von Hofdamen geschrieben. Das bekannteste ist die Geschichte vom Prinzen Genji von Murasaki Shikibu, vom Anfang des 11. Jahrhunderts, oft für einen der ersten Romane der Welt gehalten.

Ab dem 16. Jahrhundert brachten portugiesische Kaufleute und Missionare die ersten europäischen Wörter, und in der langen Zeit, in der Japan die Kontakte zum Westen begrenzte, waren die niederländischen Kaufleute von Nagasaki das wichtigste Fenster zur europäischen Wissenschaft. Nach 1868, in der Meiji-Zeit, modernisierte sich Japan mit großer Geschwindigkeit: Man baute eine Standardsprache auf der Sprache Tokyos auf, und Gelehrte schufen Tausende von Wörtern in Kanji für westliche Ideen — neue Wörter oder alte chinesische mit neuer Bedeutung — wie 経済(けいざい) für Wirtschaft und 哲学(てつがく) für Philosophie. Viele wurden später vom Chinesischen und Koreanischen übernommen.

Nach 1945 wurde die Schrift vereinfacht, und die Zahl der in der Schule gelehrten Kanji wurde durch eine amtliche Liste festgelegt; die heutige zählt etwas über zweitausend. Seither ist die große Quelle neuer Wörter das Englische.

Die Zeitleiste

  1. 712

    Das „Kojiki“ wird vollendet, die älteste erhaltene japanische Chronik. Sie ist mit chinesischen Zeichen geschrieben.

  2. um 760

    Das „Man’yōshū“ sammelt Tausende von Gedichten. Manche Zeichen werden nur wegen ihres Klangs benutzt: ein erster Schritt zu den Kana.

  3. 905

    Das „Kokin Wakashū“ wird zusammengestellt, eine kaiserliche Gedichtsammlung: Die Kana-Schrift ist nun fest etabliert.

  4. um 1000

    Murasaki Shikibu schreibt am kaiserlichen Hof das „Genji monogatari“, die „Geschichte vom Prinzen Genji“.

  5. 1543

    Portugiesische Kaufleute kommen nach Japan. Mit ihnen kommen Wörter wie パン (pan, Brot).

  6. 1868

    Die Meiji-Zeit beginnt. Japan baut eine gemeinsame Standardsprache auf und prägt viele neue Wörter für westliche Ideen.

  7. 1946

    Eine Liste von Kanji für den täglichen Gebrauch wird veröffentlicht; ihr Nachfolger ist heute die Liste der Jōyō-Kanji.

Wo man es heute spricht

Japanisch wird fast nur in Japan gesprochen, und in Japan sprechen es fast alle. Merkwürdigerweise erklärt kein Gesetz es zur Amtssprache — niemand hat je das Bedürfnis dazu gespürt. Außerhalb Japans sind die größten Gemeinschaften die der Nachkommen von Auswanderern, vor allem in Brasilien, wohin viele Familien Anfang des 20. Jahrhunderts kamen, sowie auf Hawaii und im übrigen Amerika.

Alle lernen die Standardsprache in der Schule und hören sie im Fernsehen, aber die regionalen Dialekte leben, ähnlich wie in Deutschland. Der bekannteste ist der des Kansai, der Gegend um Osaka und Kyoto, durch Komiker im ganzen Land vertraut: あかん für „geht nicht“ statt だめ, ほんま für „wirklich“ statt 本当(ほんとう) und おおきに, eine alte Art, danke zu sagen. Die Dialekte des äußersten Nordens und des Südwestens können auch für andere Japaner schwer zu verstehen sein.

Die beiden Regionen unterscheiden sich auch in der Melodie. Japanische Wörter haben ein Muster hoher und tiefer Töne, und die Muster von Tokyo und Osaka stimmen oft nicht überein, sodass dasselbe Wort in den beiden Städten sehr verschieden klingen kann.

Auf der Karte

Wo die Sprache gesprochen wirdWeltkarte. Voll gefärbt sind die Länder und Gebiete, in denen die Sprache Amts- oder Mehrheitssprache ist, schraffiert die, in denen sie auch weit verbreitet ist. Die Liste unter der Karte nennt alle.Japan
  • Amts- oder Mehrheitssprache

Amts- oder Mehrheitssprache

  • Japan
Vereinfachte Darstellung nach Natural Earth (gemeinfrei). Gezeigt werden Umrisse, keine Grenzverläufe: Die Karte bewertet keine Grenzen und nennt keine Sprecherzahlen. Umstrittene Gebiete sind zugeordnet wie in den Karten der Vereinten Nationen und tragen weder einen eigenen Rand noch einen Namen.

Drei Schriften, und wie sie entstanden

Japan hatte keine eigene Schrift. Die chinesischen Zeichen kamen vom Festland, zum guten Teil über Korea, und waren um das 5. Jahrhundert in Gebrauch. Das Problem war, dass das Chinesische keine Endungen hat und das Japanische voll davon ist. Die Lösung war, einige Zeichen nur wegen ihres Klangs zu entlehnen, und im Lauf der Jahrhunderte vereinfachten sich diese Klangzeichen zu zwei eigenen Schriften.

Die Hiragana entstanden aus den kursiven, handgeschriebenen Formen ganzer Zeichen: あ kommt von 安(あん). Die Katakana entstanden aus einzelnen Teilen von Zeichen, die Mönche als Lesehilfe an den Rand buddhistischer Texte schrieben: カ ist die linke Hälfte von 加(か). Jedes Kana steht für eine Silbe, nicht für einen Buchstaben, und jede Schrift hat etwas weniger als fünfzig Grundzeichen.

Heute arbeiten die drei zusammen. Die Kanji tragen den Kern eines Wortes, die Hiragana schreiben die Endungen und die kleinen grammatischen Wörter, und die Katakana dienen für Wörter aus anderen Sprachen, ausländische Namen und Betonung. In 私(わたし)はコーヒーを飲(の)みます。, „ich trinke Kaffee“, sieht man alle drei zusammen. Fast alle Kanji haben zwei Arten von Lesung: eine einheimische japanische, wie in 山(やま), Berg, und eine aus dem Chinesischen, wie in 富士山(ふじさん), der Berg Fuji.

Lateinische Buchstaben, Rōmaji genannt, erscheinen auf Schildern und in Namen und sind die Art, wie fast alle am Computer schreiben: Man tippt nihongo, und der Computer macht daraus 日本語(にほんご). Japanisch wird ohne Leerzeichen zwischen den Wörtern geschrieben, und Romane und Zeitungen werden noch oft in senkrechten Spalten gedruckt, die man von oben nach unten und von rechts nach links liest.

Wörter, die es abgegeben, und Wörter, die es aufgenommen hat

Das Deutsche hat mehrere japanische Wörter übernommen: 寿司(すし)Sushi津波(つなみ)TsunamiカラオケKaraoke絵文字(えもじ)Emoji漫画(まんが)Manga Karaoke ist halb japanisch und halb englisch — kara, „leer“, und oke, Kurzform von Orchester. Emoji hat mit „Emotion“ nichts zu tun: Es ist e, Bild, und moji, geschriebenes Zeichen.

Das Japanische seinerseits hat in drei großen Wellen entlehnt. Aus dem Chinesischen kam ein sehr großer Teil des Wortschatzes, vor allem die gelehrten und förmlichen Wörter. Aus dem Portugiesischen eine Handvoll gebliebener Wörter, wie パン, Brot. Und aus dem Englischen, vor allem seit 1945, eine Flut, die noch wächst — meist gekürzt, um zu den japanischen Lauten zu passen: パソコンist der Personal Computerスマホdas Smartphoneコンビニder Tag und Nacht geöffnete Minimarkt

Manche Wörter sehen englisch aus und sind in Japan entstanden. Ein サラリーマン, „Salary Man“, ist ein Büroangestellter, und in keinem englischsprachigen Land würde man das Wort so benutzen — ähnlich wie unser „Handy“. Manche kommen aus dem Deutschen, durch Medizin, Bergsteigen und das Studentenleben: アルバイト, von Arbeit, ist ein Teilzeitjob. Und einige sogar aus dem Italienischen, wie パスタ und ピザ.

Was Deutschsprachige überrascht

Das Verb steht am Ende, und die kleinen Wörter, die sagen, wer was tut, kommen nach dem Nomen statt davor, wie nachgestellte Präpositionen. Es gibt keine Artikel, kein männlich und weiblich, und fast alle Nomen haben keinen Plural: 本(ほん) ist ein Buch oder mehrere, und der Zusammenhang entscheidet. Das Subjekt wird oft weggelassen, wenn es klar ist — viel öfter als im Deutschen, das „ich“ und „du“ fast immer nennt.

Die Höflichkeit gehört zur Grammatik. Dasselbe Verb hat eine einfache Form für Freunde und eine höfliche für Fremde, wie unser „du“ und „Sie“, aber im Verb selbst, und es gibt besondere Verben, um respektvoll über andere und bescheiden über sich zu sprechen. Dinge zählt man mit Zählwörtern, die sich nach der Form richten, und es gibt zwei Reihen von Zahlen, eine einheimische und eine aus dem Chinesischen.

Die Laute sind freundlicher, als viele erwarten, besonders für Deutschsprachige: fünf Vokale, fast wie die unseren, und Silben, die fast immer auf einen Vokal enden. Auch Doppelkonsonanten gibt es, aber hörbar lang gehalten. Was zählt und dem deutschen Ohr leicht entgeht, ist die Länge der Vokale: おばさんist eine Tanteおばあさんeine Großmutter — der einzige Unterschied ist ein langer Vokal Und statt des Druckakzents benutzt das Japanische die Tonhöhe: Im Japanisch von Tokyo fällt 雨(あめ), Regen, von hoch zu tief, während 飴(あめ), Bonbon, steigt.

Wusstest du?

Kurze Fakten zum Staunen. Einzeln tauchen sie auch am Ende einer Übungsrunde auf — zugeklappt, damit sie nicht stören.

  1. Japanisch wird mit drei Schriften zugleich geschrieben: Hiragana, Katakana und Kanji. Ein einziger Satz benutzt oft alle drei.
  2. Hiragana und Katakana haben je 46 Grundzeichen, und jedes steht für eine Silbe wie か (ka) oder ス (su).
  3. Die „Geschichte vom Prinzen Genji“, um das Jahr 1000 von Murasaki Shikibu geschrieben, gilt oft als einer der ersten Romane der Welt.
  4. Japanische Verben ändern sich nicht für „ich“, „du“ oder „sie“: たべます (tabemasu) heißt „ich esse“, „du isst“ und „er isst“.
  5. In einem japanischen Satz steht das Verb ganz am Ende, nach dem Objekt — wie im deutschen Nebensatz.
  6. Zum Zählen braucht man ein Zählwort, das von der Form der Sache abhängt: まい (mai) für flache Dinge wie Papier, ほん (hon) für lange wie Stifte.
  7. 絵文字(えもじ) (emoji) ist ein japanisches Wort: 絵(え) heißt Bild und 文字(もじ) Zeichen. Mit „Emotion“ hat es nichts zu tun.
  8. 津波(つなみ) (tsunami) heißt „Welle im Hafen“. Heute wird das Wort in vielen Sprachen der Welt benutzt, auch im Deutschen.
  9. カラオケ (karaoke) heißt „leeres Orchester“: Die Musik ist da, es fehlt der Sänger.
  10. Das Japanische bildet auch eigene Wörter, die englisch aussehen: サラリーマン (sarariiman) ist ein Büroangestellter, ähnlich wie unser „Handy“ ein englisch aussehendes Wort ist, das es so im Englischen nicht gibt.
  11. Im Japanisch von Tokyo heißt はし (hashi) je nach Tonhöhe der Stimme „Essstäbchen“ oder „Brücke“.
  12. Die Ryūkyū-Sprachen von Okinawa sind mit dem Japanischen verwandt, aber eigene Sprachen. Das Ainu im Norden ist mit dem Japanischen überhaupt nicht verwandt.
  13. Fast alle Kanji haben mehr als eine Lesung: eine japanische und eine aus dem Chinesischen. 山(やま) allein ist „yama“, aber in 富士山(ふじさん) (Fujisan) ist es „san“.
  14. Ein Haiku hat drei Teile mit 5, 7 und 5 Lauteinheiten (Moren). Der Tradition nach enthält es ein Wort, das die Jahreszeit angibt.
  15. Japanisch kann von oben nach unten geschrieben werden, mit Zeilen, die von rechts nach links laufen, oder waagerecht wie das Deutsche.
  16. Das Japanische hat besondere Höflichkeitsformen, 敬語(けいご) (keigo) genannt. Das Verb ändert sich je nachdem, wen du vor dir hast.
  17. Die meisten japanischen Nomen haben keinen Plural: ねこ (neko) kann eine Katze oder viele sein.
  18. Das Japanische hat sehr viele Klang- und Empfindungswörter: きらきら (kirakira) ist etwas, das funkelt, どきどき (dokidoki) ein Herz, das stark klopft.
  19. Der Name des Landes, 日本(にほん) (Nihon oder Nippon), wird mit den Zeichen für „Sonne“ und „Ursprung“ geschrieben.
  20. Das Wort パン (pan) für Brot kam im 16. Jahrhundert mit den portugiesischen Kaufleuten: Es ist mit dem portugiesischen „pão“ verwandt, nicht mit unserem „Brot“.
  21. ありがとう (arigatō, danke) ist ein altes japanisches Wort. Es kommt nicht vom portugiesischen „obrigado“, auch wenn es ihm ähnelt.