Zum Lesen, wenn du magst — kein Lernstoff
Das Hindi: ein kurzes Porträt
Woher das Hindi kommt, wie es zum Urdu steht, wie es geschrieben wird, wo man es spricht und was Deutschsprachige überrascht.
- Sprachfamilie
- indoeuropäisch, indoarische Gruppe — ein ferner Verwandter des Deutschen
- Schrift
- Devanagari, von links nach rechts geschrieben; jeder Konsonant trägt ein kurzes a in sich
- Gesprochen in
- vor allem im Norden und in der Mitte Indiens; auch in Nepal, auf Fidschi, Mauritius, in Suriname und in den indischen Gemeinschaften im Ausland
- Sprecher
- mehrere hundert Millionen als Erstsprache, noch viel mehr als Zweitsprache
- Wortstellung
- Subjekt – Objekt – Verb: Das Verb steht am Ende
- Amtlicher Status
- Amtssprache der Indischen Union neben dem Englischen und mehrerer indischer Bundesstaaten
- Name auf Hindi
- हिंदी
Woher es kommt
Das Hindi gehört zu den indoarischen Sprachen, dem Zweig der indoeuropäischen Familie, zu dem in Indien auch Bengalisch, Panjabi, Marathi und Gujarati zählen. Damit ist es ein ferner Vetter des Deutschen, und ein paar sehr alte Wörter verraten es noch: नामund „Name“दोund „zwei“दाँतund „Zahn“ (lateinisch „dens“)नयाund „neu“
Seine Linie führt vom Sanskrit, der Hochsprache des alten Indien, über die gesprochenen Prakrit-Sprachen der folgenden Jahrhunderte zu den Regionalsprachen des Nordens im Mittelalter. Aus einer davon, der Sprache der Gegend um Delhi, der खड़ी बोली, entstand das moderne Standard-Hindi. Zwei andere Sprachformen hatten lange vor ihm eine große Literatur: ब्रज, die Sprache der Andachtsdichtung über Krishna, und अवधी, in der Tulsidas im 16. Jahrhundert das Ramayana nacherzählte.
Die Zeitleiste
- um 1500 v. Chr.
Die ältesten Hymnen des Rigveda entstehen im vedischen Sanskrit, einem fernen Vorfahren des Hindi.
- um 1300
Der Dichter Amir Khusrau schreibt Verse in Hindawi, einer frühen Form der Sprache.
- um 1575
Tulsidas verfasst das „Ramcharitmanas“, eine Nacherzählung des Ramayana auf Awadhi, die bis heute rezitiert wird.
- 1800
In Kalkutta wird das Fort William College eröffnet; dort entstehen Lehrbücher in Hindi- und Urdu-Prosa.
- 1949
Am 14. September beschließt die Verfassunggebende Versammlung, Hindi in Devanagari zur Amtssprache der Indischen Union zu machen.
- 1975
In Nagpur findet die erste Welt-Hindi-Konferenz statt.
Hindi und Urdu
Jahrhundertelang war die Sprache der Gegend um Delhi eine Sprache mit vielen Namen — Hindustani, Hindawi, Rekhta. Unter den Mogulkaisern nahm sie sehr viele Wörter aus dem Persischen auf, der Sprache des Hofes, und über das Persische aus dem Arabischen und Türkischen. Diese Alltagssprache, die Hindus und Muslime teilten, ist bis heute der Kern von Hindi und Urdu.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurden beide auseinandergezogen. Das Urdu, in einer persisch-arabischen Schrift geschrieben, wandte sich für seinen gehobenen Wortschatz dem Persischen und Arabischen zu, das Hindi, in Devanagari geschrieben, dem Sanskrit. Ein Gespräch auf dem Markt kann man heute ebenso gut das eine wie das andere nennen, und die Sprecher verstehen einander leicht — weniger, wenn das Thema förmlich wird, und gar nicht auf dem Papier, weil die Schriften verschieden sind. Urdu ist die Nationalsprache Pakistans und eine der Sprachen Indiens.
Wo man es heute spricht
Das Hindi ist die Hauptsprache eines breiten Gürtels im Norden und in der Mitte Indiens, von Rajasthan bis Bihar und vom Fuß des Himalaya bis Madhya Pradesh. Nach der indischen Verfassung ist es die Amtssprache der Union, in Devanagari geschrieben, neben dem Englischen, und mehrere Bundesstaaten verwenden es als eigene Amtssprache. Der 14. September, der Tag des Jahres 1949, an dem dieser Beschluss gefasst wurde, wird als Hindi-Tag gefeiert.
In diesem Gürtel hört man die Regionalsprachen und Dialekte deutlich, und viele wachsen mit einer davon zu Hause auf und lernen das Standard-Hindi in der Schule. Außerhalb davon, im Süden und Osten, ist Hindi eine zweite oder dritte Sprache, die man in der Schule und durch Filme lernt. Indische Arbeiter, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert nach Fidschi, Mauritius, Suriname und in die Karibik gingen, nahmen ihr Hindi mit, und an mehreren dieser Orte werden Spielarten davon bis heute gesprochen.
Auf der Karte
- Amts- oder Mehrheitssprache
- Auch weit verbreitet
Amts- oder Mehrheitssprache
- Indien
Auch weit verbreitet
- Fidschi
- Nepal
Devanagari
Das Devanagari wird unter anderem für Hindi, Marathi, Nepali und Sanskrit benutzt. Es stammt von der Brahmi-Schrift des alten Indien ab, aus der auch die Schriften des Bengalischen, Tamilischen, Thailändischen und Tibetischen hervorgingen. Seine Buchstaben sind nicht wie im lateinischen Alphabet geordnet, sondern danach, wie die Laute entstehen: zuerst die Vokale, dann die Konsonanten Reihe für Reihe vom hinteren Mundraum bis zu den Lippen.
Jeder Konsonant trägt ein kurzes a — क ist ka —, und andere Vokale werden als Zeichen über, unter, vor oder nach ihm angefügt: कि, की, कु, के. Zwei Konsonanten ohne Vokal dazwischen verschmelzen zu einer Verbindung. Die Buchstaben hängen an einer Linie, die oben entlangläuft, der शिरोरेखा, und ein Wort ist das Stück dieser Linie zwischen zwei Leerzeichen. Ein Satz endet mit einem senkrechten Strich, dem Danda: ।
Wörter, die es abgegeben, und Wörter, die es aufgenommen hat
Aus dem Hindi sind Wörter in europäische Sprachen gelangt, oft ohne dass man wusste, woher: „Shampoo“ von चाँपो, „drück!“, gesagt bei der Kopfmassage; „Dschungel“ von जंगल; „Bungalow“ von einem Wort für ein Haus im bengalischen Stil; und „Pyjama“, das das Hindi selbst aus dem Persischen hatte.
Das Hindi hat weit mehr entlehnt als verliehen. Neben der alten persischen Schicht — दुकान, Laden; ज़रूर, gewiss; शायद, vielleicht — ist das moderne Hindi voll von englischen Wörtern: स्कूल, स्टेशन, फ़ोन, टिकट. Ganze englische Wendungen in Hindi-Sätze zu mischen ist in den Städten so üblich, dass es einen Namen hat, Hinglish, und manche Lehnwörter haben unterwegs eine eigene Bedeutung angenommen: Ein पिक्चर ist ein Film.
Was Deutschsprachige überrascht
Das Verb steht am Ende, und die kleinen Wörter für „in“, „auf“ und „von“ kommen nach dem Nomen: मैं दिल्ली में रहता हूँ, „ich wohne in Delhi“, heißt wörtlich „ich Delhi in wohne bin“. Jedes Nomen ist männlich oder weiblich — ein Neutrum gibt es nicht, und Artikel auch nicht —, und Adjektiv, Besitzwort und Verb ändern sich mit ihm: Ein Mann sagt मैं थका हूँ, eine Frau मैं थकी हूँ für „ich bin müde“.
Die Vergangenheit eines Verbs mit Objekt funktioniert anders als alles im Deutschen: Das Subjekt bekommt ने, und das Verb richtet sich nach dem Objekt. मैंने चाय पी, „ich habe Tee getrunken“, hat ein weibliches Verb, weil Tee weiblich ist, wer auch immer ihn getrunken hat. Auch Respekt ist eingebaut: Es gibt drei Wörter für „du“ und „Sie“, jedes mit eigenen Verbformen, und ältere Menschen spricht man mit आप an, den Namen gefolgt von जी.
Bei den Lauten gibt es zwei Überraschungen. Das Hindi hat zwei t und zwei d, eines an den Zähnen und eines mit zurückgebogener Zunge, und es behält den Hauch nach einem Konsonanten als Teil des Lauts, sodass कान, „Ohr“, und खान, „Bergwerk“, verschiedene Wörter sind. Und das kurze a, das die Schrift in jeden Konsonanten schreibt, fällt oft aus: कमरा, „Zimmer“, spricht man kamrā.
Wusstest du?
Kurze Fakten zum Staunen. Einzeln tauchen sie auch am Ende einer Übungsrunde auf — zugeklappt, damit sie nicht stören.
- Der Hindi-Tag, हिंदी दिवस, wird am 14. September gefeiert — an dem Tag des Jahres 1949, an dem beschlossen wurde, Hindi zur Amtssprache der Union zu machen.
- Die Buchstaben des Devanagari hängen an einer Linie, die oben am Wort entlangläuft, der शिरोरेखा (shirorekhā), der „Kopflinie“.
- Jeder Konsonant im Devanagari trägt ein kurzes „a“ in sich: क liest man „ka“. Andere Vokale kommen als kleine Zeichen dazu: कि (ki), कु (ku).
- Hindi und Urdu teilen ihre Grammatik und die meisten Wörter des Alltags. Sie unterscheiden sich vor allem in der Schrift und im gehobenen Wortschatz.
- Das Devanagari kennt keine Großbuchstaben — auch nicht am Satzanfang oder bei Namen.
- Das Hindi stellt kleine Wörter hinter das Nomen, nicht davor: घर में (ghar meⁿ) heißt wörtlich „Haus in“, also „im Haus“.
- Das Hindi-Verb zeigt das Geschlecht des Subjekts, bei „ich“ also das des Sprechenden: Ein Mann sagt मैं जाता हूँ („ich gehe“), eine Frau मैं जाती हूँ.
- shampoo, bungalow, jungle und pyjamas kamen aus dem Hindi und Urdu ins Englische. „Shampoo“ und „Dschungel“ kennst du auch aus dem Deutschen.
- shampoo kommt von चाँपो (chāmpo), „drück!“, vom Massieren des Kopfes.
- Viele Hindi-Wörter stammen aus dem Persischen und Arabischen: किताब (kitāb, Buch) und दुनिया (duniyā, Welt).
- Einige Alltagswörter stammen aus dem Portugiesischen: चाबी (chābī, Schlüssel) und अलमारी (almārī, Schrank).
- Das Hindi unterscheidet Laute mit und ohne Hauch: कल (kal, gestern oder morgen) und खल (khal) sind verschiedene Wörter.
- कल (kal) heißt sowohl „gestern“ als auch „morgen“; welches von beiden gemeint ist, sagt die Zeitform des Verbs.
- Das Hindi hat drei Wörter für „du“ und „Sie“: तू (tū), तुम (tum) und das höfliche आप (āp).
- Das Wort „Hindi“ kommt vom persischen „Hind“, dem Land am Fluss Indus.
- Das Devanagari wird auch für Sanskrit, Marathi und Nepali verwendet.
- Das Hindi hat für jede Zahl bis hundert ein eigenes Wort, und viele davon muss man einzeln lernen.
- Große Zahlen werden in लाख (lākh, hunderttausend) und करोड़ (karoṛ, zehn Millionen) gezählt.
- Die meisten Filme aus Mumbai, oft „Bollywood“ genannt, sind in einem Hindi gedreht, das mit Urdu gemischt ist.
- Auf Fidschi wird eine Spielart des Hindi, oft Fidschi-Hindi genannt, in vielen Familien gesprochen.
- Das Verb steht am Ende des Hindi-Satzes: मैं चाय पीता हूँ — wörtlich „ich Tee trinke“, wie im deutschen Nebensatz.